Weniger Kontrollen, mehr Ausnahmen. Zaghaft sollen die Grenzen geöffnet werden. Das ist nett. Doch der Schritt ist überfällig und geht längst nicht weit genug, denn für die Bewohner dieser Regionen – wie den Autor – sind die geschlossenen Grenzen längst eine sinnlose Zumutung.

Natürlich machte eine Einschränkung des Reiseverkehrs Sinn, als klar wurde, wie das Coronavirus von Touristen aus Tirol durch ganz Europa verschleppt wurde. Aber der schweizerische Perfektionismus an der Grenze hat Blüten produziert, die nichts mit dem zu tun haben: Zöllner errichteten Barrikaden, Velowege wurden gesperrt. Soldaten patrouillieren in den Wäldern, um Jogger zu orten.

Das Ziel muss normale Bewegungsfreiheit sein

Was sich Politiker in Bern offenbar nicht vorstellen können: Für Menschen am Rande der Schweiz beginnt hinter der Grenze nicht verzichtbares Ausland, sondern einfach eine Nachbargemeinde. Die Absperrbänder gehen durch Schrebergärten, trennen Freunde und Familien. Handwerker kommen nicht zum Kunden. Gleichzeitig dürfen Arbeiter täglich über die Grenze, weil Fabriken und Spitäler ohne sie nicht auskommen. Das versteht keiner.

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Die Bemühungen, ein paar weitere Ausnahmen für den Grenzübertritt auszuhandeln, sind löblich, doch für die Mehrheit der Bevölkerung bringt das nicht viel. Welcher Zöllner überprüft ab übermorgen, ob sich Menschen, die sich treffen wollen, in einer «gefestigten Beziehung» befinden? Ziel muss sein, dass sich Baslerinnen und Kreuzlinger in ihrer Heimat wieder so bewegen können, wie das für Bernerinnen und Luzerner selbstverständlich ist.