Trotz des jüngsten Absturzes der Ölpreise will die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihr bisheriges Förderziel von 30 Millionen Barrel am Tag nicht kürzen. Darauf verständigten sich die Energieminister der zwölf Mitgliedstaaten am Donnerstag in Wien.

Es gebe «keine Veränderung» zum bisherigen Förderziel von 30 Millionen Barrel pro Tag, sagte der kuwaitische Ölminister Ali al-Omair. Das bestätigte der saudi-arabische Ölminister Ali Al-Naimi am Nachmittag nach der fünfstündigen Sitzung. Die Opec will ihr nächstes Treffen erst im Juni abhalten und signalisierte damit, auch kein Sondertreffen einzuplanen.

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Neue Opec-Strategie

Damit setzte sich eine Gruppe wohlhabender Golfstaaten um Saudi-Arabien durch, die an den aktuellen Fördermengen festhalten wollten. Ärmere Opec-Mitglieder wie Venezuela dagegen hatten auf eine Kürzung gedrängt, um dem Preisverfall auf den Ölmärkten Einhalt zu gebieten.

Die Entscheidung markiert eine Kehrtwende gegenüber der bisherigen Opec-Strategie, fallende Preise mit einer Reduzierung des Angebots zu bekämpfen. Stattdessen will Saudi-Arabien offenbar die Preise für eine Zeit lang drücken, um so die – zu einer ernsthaften Konkurrenz aufgestiegene – Schieferöl-Produktion in den USA zu schwächen.

USA ausbremsen

«Wir interpretieren dies so, dass Saudi-Arabien die Ansicht vertritt, dass die Ölpreise kurzfristig weiter sinken müssen», erklärte Olivier Jakob von der Beratungsfirma Petromatrix. «Mit anderen Worten sollte es im Interesse der Opec sein, für eine Zeit mit niedrigeren Preisen zu leben, um Entwicklungsprojekte in den USA abzubremsen.»

Die Ölpreise rutschen nach dem Opec-Entscheid noch einmal deutlich ab. Brent verbilligt sich um 4,4 Prozent auf 74,36 Dollar je Fass, den tiefsten Stand seit Ende August 2010. Der Preis für WTI fällt mit 70,87 Dollar je Barrel ebenfalls auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren. Die Preise sind seit dem Sommer bereits um mehr als 30 Prozent gefallen.

Russland unter Druck

Einer der Hauptleidtragenden des Ölpreis-Verfalls ist Russland, das rund 40 Prozent seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export bezieht. Dem Land gehen durch den Ölpreis-Verfall nach eigenen Angaben bis zu 100 Milliarden Dollar jährlich verloren. Im Haushaltsplan für 2014 rechnet die Regierung in Moskau mit einem durchschnittlichen Preis von 104 Dollar je Barrel. Aktuell kostet ein Barrel (159 Liter) der richtungweisenden Sorte Brent aus der Nordsee dagegen lediglich etwa 75 Dollar.

Der Rubel reagierte mit Kursverlusten auf die Opec-Entscheidung. In Moskau ist angesichts der Entwicklung auf den Ölmärkten nicht von einem Kampf zwischen Saudi-Arabien und den USA die Rede, sondern von einem Komplott der beiden Staaten – zumal Saudi-Arabien ein wichtiger Verbündeter der USA ist. Sogar «New York Times»-Kolumnist Thomas Friedman gab kürzlich zu bedenken: «Bilde ich mir das ein, oder haben wir es mit einem globalen Ölkrieg zu tun, mit den USA und Saudi-Arabien auf der einen Seite und Russland und dem Iran auf der anderen?» Der Iran hat den beiden Feinden USA und Saudi-Arabien ebenfalls konspirative Absprachen vorgeworfen, um seine Wirtschaft zu ruinieren.

(sda/awp/reuters/ise/ama)