Nach dem ersten Kongress der in Nordkorea herrschenden Arbeiterpartei seit 1980 sind Hunderttausende zum Jubeln über ihren jungen Machthaber Kim Jong Un aufgeboten worden. Zur organisierten Massenkundgebung gehörte am Dienstag auch eine Zivilparade auf dem Kim-Il-Sung-Platz im Herzen von Pjöngjang, bei der die Menschen dem Machthaber mit roten und rosa Papierblumen zuwinkten.

Kim, der zusammen mit anderen führenden Parteikadern auf einem Balkon stand, winkte huldvoll zurück. Das knapp über eine Stunde lange Spektakel wurde vom Staatsfernsehen übertragen. Die Feierlichkeiten sollten nach Meinung von Beobachtern auch dazu dienen, um die Loyalität der Bürger zu Kim und der Partei zu demonstrieren und zu stärken.

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«Eine starke Nation braucht Atomwaffen»

Der siebte Kongress der Arbeiterpartei sei eine Versammlung gewesen, durch die die Partei gestärkt und «die Aufgabe zur Erfüllung der Juche-Revolution» erfüllt werde, sagte das protokollarische Staatsoberhaupt, Kim Yong Nam, in einer Rede.

«Juche» ist die Staatsdoktrin, die die Selbstbestimmung des wegen seines Atomprogramms und Menschenrechtsverletzungen weithin isolierten Landes betont. Während der Parade waren auch Wagen mit Raketenattrappen und Plakate mit Aufschriften wie «Eine starke Nation braucht Atomwaffen» zu sehen.

Viertägiger Kongress zu Ende

Der Kongress der nordkoreanischen Kommunisten war am Montag nach vier Tagen zu Ende gegangen. Dabei zementierte Kim Jong Un, der Anfang 30 sein soll, seine Position an der Spitze der Partei. Seine Wahl auf den neu geschaffenen Posten des Parteivorsitzenden spiegle den «einmütigen Willen und Wunsch aller Parteimitglieder, der Soldaten und des Volkes», hiess es in den Staatsmedien.

Die Verleihung des neuen Titels gilt als symbolischer Schritt, mit dem das Regime die neue Herrschaftsära unter Kim hervorheben will. Er war davor als erster Parteisekretär bereits Parteichef.

Sanktionen verschärft

Sein Ende 2011 gestorbener Vater Kim Jong Il, von dem er die Macht übernommen hatte, trägt den Titel «ewiger Generalsekretär», der Grossvater Kim Il Sung den Titel «ewiger Präsident». Während des Kongresses billigten die mehr als 3400 Delegierten auch die Politik Kim Jong Uns zum Aufbau einer Atomstreitmacht, der parallel zur Entwicklung der Wirtschaft vorangetrieben werden soll. Die auch als «Byongjin» bezeichnete Strategie wird von Südkorea und dem Westen heftig kritisiert.

Die Spannungen im Atomstreit mit Nordkorea nahmen zuletzt ständig zu. Nach einem neuen nordkoreanischen Nukleartest - dem vierten des Landes - und einem umstrittenen Raketenstart hatte der Uno-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen das kommunistische Regime verschärft.

(sda/cfr/chb)