In seiner «Schweiz am Sonntag»-Kolumne äussert sich Ex-UBS-Chef Oswald Grübel zur Statistik, wonach jeder 13. in der Schweiz arm ist und über eine Million Einwohner armutsgefährdet sind. «Sprechen wir hier wirklich von der Schweiz, dem reichsten Land der Welt, wo auch jeder 25. ein Millionär ist?», fragt Grübel. «Sie sehen, wie irreführend Statistiken erscheinen können. Arm ist bei uns, wer weniger als 2200 Franken im Monat erhält. Im europäischen Vergleich wird die «Quote der erheblichen materiellen Entbehrungen» verwendet, und da stehen wir dann doch wieder gut da mit einer Quote von 1 Prozent im Vergleich zur EU mit 8,8 Prozent.»

Vergleich mit Deutschland

Grübels Schlussfolgerung: «Wir haben reiche Arme. Uns ist aber auch klar, dass man mit 2200 Franken im Monat keine grossen Sprünge machen kann. In Deutschland zum Beispiel käme dieser Betrag nahe an den Durchschnittsverdienst heran und man würde wohl auf Unverständnis stossen, wenn man dort erzählen wollte, dass dieser bei uns der Armutsgrenze entspricht. Ausschlaggebend für diesen sehr hohen Wert sind die zum Teil exorbitanten Preise.»

Preisniveau in der Schweiz

Aber es scheint ein Tabu zu sein, über unser Preisniveau zu sprechen. Grübel: «Wir sind bereit, für das gleiche Produkt fast doppelt so viel zu bezahlen wie in Deutschland. Es wird uns vorgegaukelt, dass es ein für die Schweiz hergestelltes Produkt ist, besser und deshalb teurer. Wir haben uns daran gewöhnt, für alles mehr zu bezahlen.»

Anzeige