Prorussische Milizionäre in der ostukrainischen Stadt Slawjansk haben am Sonntag die gefangenen Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bei einer Medienkonferenz vorgeführt.

Acht Männer, die alle offenbar unverletzt waren, wurden durch die Aufständischen in einen Saal eines besetzten Gebäudes geführt, in dem rund 60 Journalisten versammelt waren.

«Niemand ist krank»

Nach Aussagen eines deutschen Teammitgliedes seien alle OSZE-Beobachter bei guter Gesundheit. Er sei nicht angerührt worden, und es habe keine körperlichen Misshandlungen gegeben, sagte der deutsche Leiter der Inspektorengruppe, Oberst Axel Schneider, am Sonntag in Slawjansk. «Alle europäischen Offiziere der Gruppe sind in guter Verfassung, und niemand ist krank», erklärte er. «Wir haben keinen Hinweis darauf, wann wir in unsere Heimatländer zurückgeschickt werden».

Prorussische Separatisten hatten die 13 Männer des OSZE-Teams am Freitag gefangengenommen. Der Gruppe gehören neben drei Bundeswehr-Soldaten und einem deutschen Dolmetscher jeweils ein Militärbeobachter aus Tschechien, Polen, Schweden und Dänemark sowie fünf ukrainische Soldaten an. Deutschland führt den Militärbeobachtereinsatz. Er ist mit dem parallel stattfindenden Einsatz ziviler OSZE-Beobachter nicht identisch. 

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Nach ukrainischen Angaben werden die Gefangenen unter «unmenschlichen Bedingungen» festgehalten. Einer von ihnen brauche dringend medizinische Hilfe.

OSZE schickt Delegation

Die prorussischen Milizionäre hatten die gefangenen Militärbeobachter am Samstag als «NATO-Spione» bezeichnet und einen Gefangenen-Austausch gefordert. Russland hatte versichert, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Freilassung der Beobachter zu erreichen.

Die OSZE hat unterdessen eine Delegation in die ostukrainische Stadt Slawjansk entsandt, um über die Freilassung ihrer dort gefangenen Beobachter zu verhandeln. Das Verhandlungsteam wurde am Sonntag in der Region erwartet.

Dies sagte die OSZE-Sprecherin Tatyana Baeva der Nachrichtenagentur AFP in Wien. Die Verhandlungsführer stammen aus einer anderen OSZE-Beobachtermission, die bereits vor Ort ist. Laut der OSZE-Sprecherin war es aber noch unklar, ob es tatsächlich Gespräche geben wird. Zur Grösse der Verhandlungsdelegation äusserte sich die OSZE-Sprecherin nicht.

(sda/reuters/dbe)