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Otto Ineichen ist tot

Otto Ineichen ist überraschend verstorben

Der Luzerner FDP-Nationalrat und Unternehmer Otto Ineichen ist an Herzversagen gestorben. Die Bestürzung in Bundesbern und in seinem Unternehmen ist gross.

Veröffentlicht am 06.06.2012

FDP-Nationalrat Otto Ineichen ist am Morgen auf offener Strasse einem Herzversagen erlegen. Vor einer Woche war der Gründer der Warenkette Otto's noch wegen Herzproblemen im Spital. In zwei Tagen wäre er 71 Jahre alt geworden.

Am Morgen brach Ineichen an seinem Wohnort Sursee mitten auf der Strasse zusammen. Mitarbeitende eines nahegelegenen Büros alarmierten den Rettungsdienst. Die Reanimationsversuche blieben erfolglos, Ineichen starb noch vor Ort, wie Simon Kopp von der Luzerner Staatsanwaltschaft sagte.

Seine Politikerkollegen erfuhren die Nachricht im Nationalrat. Am Ende der Nationalratssitzung, gegen 12.30 Uhr, sagte Ratspräsident Hansjörg Walter (SVP/TG): «Ich habe die traurige Pflicht, Ihnen die Nachricht zu verkünden, dass unser Ratsmitglied Otto Ineichen gestorben ist.» Die Nationalrätinnen und Nationalräte erhoben sich zu einer Schweigeminute. Eine Würdigung erfolgt laut Walter zu einem späteren Zeitpunkt.

Vater von vier Kindern

Seine Herzprobleme hatte dazu geführt, dass Ineichen vergangene Woche ins Spital musste. Dies sagte sein Sitznachbar im Nationalrat, der Luzerner Albert Vitali (FDP). Am ersten Sessionstag der zweiten Woche habe er wieder an den Ratssitzungen teilgenommen.

Wie FDP-Präsident Philipp Müller sagte, stand der Spitalaufenthalt im Zusammenhang mit einer späteren Herzoperation. Nähere Angaben wollte Müller nicht machen.

Otto Ineichen war verheiratet und Vater von vier Kindern. Bekannt wurde er mit seiner 1978 gegründeten Warenhauskette Otto's. In seinen Läden, die ursprünglich Otto's Schadenposten und später Otto's Warenposten hiessen, verkaufte Ineichen Waren, die er aus Restposten anderer Firmen erwarb. Das Unternehmen mit Filialen in der ganzen Schweiz beschäftigt heute 1700 Mitarbeiter.

«Riesiger persönlicher Einsatz»

Seit September 2003 war Ineichen Nationalrat. Einen Namen machte er sich unter anderem damit, dass er für grössere Projekte immer wieder Allianzen über alle Parteigrenzen hinweg schmiedete. So engagierte er sich für bezahlbare Kinderkrippen und für Jugendliche ohne Lehrstelle. Er gründete die Organisation Speranza, die Firmen dazu animierte, Ausbildungsplätze für junge Menschen anzubieten.

Für dieses Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet. Von der Jugendsession erhielt er den Prix Jeunesse 2009. Und in der TV-Show "SwissAward" wurde er zum Politiker des Jahres 2009 gewählt.

Politische Weggefährten und Mitarbeiter Ineichens konnten am Mittwochnachmittag noch kaum fassen, was geschehen war. «Mit Bestürzung und Trauer» habe die FDP vom Tod Ineichens erfahren, teilte die Partei mit. Ineichen habe sich in den vergangenen Jahren mit «riesigem persönlichem Einsatz» für die Menschen in der Schweiz eingesetzt. Die FDP werde sich mit grossem Dank und Respekt an diesen liebenswerten Menschen erinnern.

«Charismatische und liebenswürdige Persönlichkeit»

Auch FDP-Fraktionspräsidentin Gabi Huber zeigte sich bestürzt. Die FDP verliere nicht nur einen engagierten Politiker, sondern sie selber verliere auch einen guten Freund. Die Partei hielt dennoch am Fraktionsausflug vom Nachmittag fest, der die Politiker zu einem Projekt Ineichens führte. Es wäre im Sinne Ineichens, den Besuch durchzuführen, sagte Huber.

Die Geschäftsleitung von Otto's teilte mit, mit Otto Ineichen verliere das Unternehmen «eine charismatische und liebenswürdige Persönlichkeit», die sich als Unternehmer und Politiker sein Leben lang mit Herzblut für sozial schwächere Mitmenschen eingesetzt habe.

Schilliger dürfte nachrücken

Die Geschäftstätigkeit von Otto's ist durch den plötzlichen Tod Ineichens nicht betroffen. Der Gründer zog sich bereits vor zwei Jahren ganz aus der Verantwortung zurück. Doch sein «Spirit» sei täglich spürbar gewesen, sagte Verwaltungsratsmitglied Stefan Hitz. Der Mensch habe für ihn stets mehr gezählt als der Profit.

Im Nationalrat wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Luzerner FDP-Politiker Peter Schilliger für den Verstorbenen nachrücken. Der 52-jährige Chef einer Haustechnikfirma landete in den letzten Nationalratswahlen hinter Ineichen und Albert Vitali auf dem ersten Ersatzplatz.

(tno/rcv/sda)

 

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