Nach der Erschiessung eines mutmasslichen palästinensischen Attentäters in Jerusalem durch die Polizei hat die Fatah-Partei von Präsident Mahmud Abbas für Freitag zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen.

Palästinenserpräsident Abbas machte die israelische Regierung für die Gewalteskalation der vergangenen Monate in Ost-Jerusalem verantwortlich.

Abbas: «Kriegserklärung»

«Die Fortsetzung dieser Angriffe und der gefährlichen israelischen Eskalation bedeuten eine Kriegserklärung an das palästinensische Volk, an seine heiligen Stätten sowie an die arabische und muslimische Nation», liess Abbas über seinen Sprecher Nabil Abu Rudeina erklären.

In Ost-Jerusalem war es am Donnerstag nach dem Tod des Palästinensers zu Krawallen gekommen. Der Tempelberg wurde vollständig abgeriegelt. Die Gewalt hat die Furcht vor einem neuen Palästinenser-Aufstand (Intifada) geschürt.

Attentat auf Politaktivisten

Der 48-jährige israelische Aktivist Yehuda Glick war am Mittwochabend im Westen Jerusalems niedergeschossen und schwer verletzt worden. Der Schütze floh auf einem Motorrad.

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Glick soll zuvor an einer Konferenz teilgenommen haben, bei der es um jüdische Ansprüche auf den Tempelberg ging. Berichte, dass Israel möglicherweise Gebete von Juden auf dem auch für Muslime heiligen Areal erlauben wolle, hatten in den vergangenen Wochen zu Krawallen geführt.

Kampf um den Tempelberg

Muslime verehren den Hügel im Südosten der Stadt als Haram el-Sharif (Edles Heiligtum). Der im Jahr 638 unter Kalif Omar begonnene Felsendom mit seiner weithin sichtbaren goldenen Kuppel steht nach islamischer Überlieferung an der Stelle, von der der Prophet Mohammed mit seinem Pferd in den Himmel ritt. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee ist er eines der wichtigsten islamischen Heiligtümer.

Nach jüdischer Glaubenslehre standen auf dem Tempelberg zwei später zerstörte jüdische Tempel. Die Klagemauer gehört zu den Resten der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels, der in der Zeit des Königs Herodes (73 bis 4 vor Christus) erbaut wurde. Der Tempelberg untersteht heute der islamischen Wakf-Stiftung.

(reuters/sda/gku)