Papst Franziskus ist zum Auftakt seiner Brasilien-Reise in Rio de Janeiro von Zehntausenden begeisterten Gläubigen empfangen worden. Gleichzeitig kam es am Montag erneut zu gewaltsamen Protesten, dabei wurden auch die hohen Kosten für den Papst-Besuch und den Weltjugendtag kritisiert.

Kurz nach einem Gespräch des Papstes mit Präsidentin Dilma Rousseff in Rio ging die Polizei mit Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor.

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Nach Angaben von Polizisten wurde aus der Menge ein Molotow-Cocktail geworfen. Fünf Demonstranten wurden festgenommen. In einem Wallfahrtsort, den der Papst am Mittwoch besuchen will, wurde unterdessen ein Sprengsatz entschärft.

Für die kommenden Tage sind weitere Protestkundgebungen angekündigt, einige davon in direkter Nähe zum Weltjugendtag. Zum Schutz des Papstes und der Gläubigen in Rio de Janeiro sind etwa 30'000 Polizisten und Soldaten im Einsatz.

Die Sicherheitsmassnahmen für den Papst-Besuch kosten Brasilien umgerechnet rund 50 Millionen Franken. Das Land wird seit Wochen von Sozialprotesten erschüttert.

Im Kleinwagen und mit offenem Fenster

Der für spontane Protokolländerungen bekannte Papst war am Montag direkt nach seiner Landung vom Flughafen aus ins Zentrum von Rio gefahren. Er setzte sich auf die Rückbank eines Kleinwagens, der zwischenzeitlich auf der zentralen Avenida Presidente Vargas steckenblieb.

Tausende Menschen säumten den Strassenrand, andere kletterten auf Bäume, Bushaltestellen und Kioske, um ihn zu sehen. Hunderte Papst-Fans bestürmten das kleine Auto des Kirchenoberhauptes. Parkende Busse behinderten zudem die Weiterfahrt.

«Es gab einen Moment, in dem das Auto eine falsche Route genommen hat und steckenblieb», sagte Papst-Sprecher Federico Lombardi. «Das war ein etwas schwieriger Augenblick. Aber es war der Moment, in dem der Papst den Enthusiasmus der Leute sehen konnte.»

Durch das heruntergekurbelte Autofenster warfen Gläubige Zettel auf die Rückbank. Der Papst habe die Begeisterung genossen, gelächelt und keine Angst gehabt, sagte Lombardi.

An der Kathedrale von Rio stieg Franziskus in einen offenen Geländewagen um und fuhr unter dem Jubel Zehntausender Menschen am Strassenrand durchs Zentrum der Sechs-Millionen-Stadt. «Ich habe weder Gold noch Silber, aber ich bringe das Wertvollste, das mir gegeben wurde: Jesus Christus!», sagte der Papst in einer Ansprache auf Portugiesisch.

Papst betont Rolle der Jugend

Zu Beginn seiner ersten Auslandsreise hob Papst Franziskus die Rolle der jungen Generation als Hoffnungsträger für die Welt hervor. Die Jugend sei das Fenster, durch das die Zukunft in die Welt eintrete.

Franziskus sprach sich für eine stärkere Förderung von Jugendlichen aus. Der Welt drohe eine ganze Generation ohne Arbeit, warnte der Papst schon auf dem Flug nach Rio de Janeiro. Zugleich kritisierte er «die Kultur der Ausgrenzung der Älteren».

Die Jugend sei die Zukunft der Völker, doch die Senioren hätten «die Weisheit des Lebens, der Geschichte, des Vaterlands und der Familie», sagte der Papst.

Zum Weltjugendtag werden bis zu zwei Millionen Teilnehmer aus rund 170 Ländern erwartet. Zur Eröffnung des katholischen Jugendtreffens wurden am Dienstag - noch ohne den Papst - schon zu Anfang Hunderttausende Pilger bei Regen und kühlen Temperaturen am Copacabana-Strand erwartet. Der Weltjugendtag endet am Sonntag mit einer grossen Messe vor den Toren Rios.

(vst/chb/sda)