Es läuft rund für Emmanuel Macron. In seinen ersten Wochen im Élyséepalast hat der junge französische Staatschef viele Punkte gemacht, vor allem mit beherzten Auftritten auf dem internationalen Parkett.

Doch ob aus dem «Zauber des Anfangs», von dem Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Macrons Antrittsbesuch in Berlin gesprochen hatte, ein dauerhafter Erfolg werden kann, entscheidet sich bei der Parlamentswahl. Am Sonntag sind Französinnen und Franzosen zum ersten von zwei Wahlgängen aufgerufen.

Macron braucht eine Mehrheit in der Nationalversammlung, um sein Reformprogramm umsetzen zu können, mit dem er Frankreichs Wirtschaft wieder Schwung verschaffen will. Ansonsten könnte er sogar gezwungen sein, eine neue Regierung aus politischen Gegnern zu ernennen.

Parteiengefüge wankt

Doch die Chancen stehen gut für den 39-Jährigen, der in kürzester Zeit eine starke Formation in der politischen Mitte aus dem Boden gestampft hat. Mehrere Umfragen halten für seine Partei La République en Marche eine absolute Mehrheit für möglich.

Damit könnte die Wahl das Abrisswerk vollenden, das Macron am traditionellen Parteiensystem Frankreichs begonnen hat. Die Sozialisten von Macrons Amtsvorgänger François Hollande liegen ohnehin am Boden.

Und die konservativen Republikaner, die sich vor einigen Wochen noch Hoffnungen auf eine Parlamentsmehrheit machten, sind ebenfalls in Bedrängnis. Der sozialliberale Macron hat in einem geschickten Schachzug bürgerliche Politiker an Schlüsselstellen der Regierung gesetzt, vorneweg Premierminister Edouard Philippe.

Der Fall Ferrand

Allerdings gibt es auch einen Schatten über dem neuen Kabinett: Die Vorwürfe gegen den Wohnungsbauminister Richard Ferrand. Es geht um mögliche Begünstigung seiner Lebensgefährtin. Es laufen Vorermittlungen. Noch ist also unklar, ob Ferrand sich etwas hat zuschulden kommen lassen.

Macron hat es sich auf die Fahne geschrieben hat, anrüchigen Praktiken im öffentlichen Leben ein Ende zu setzen. Das ist auch eine Reaktion auf die Verwandtenaffäre um den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon.

Bislang sieht es aber nicht so aus, als ob der Fall Ferrand die Wahlaussichten des Macron-Lagers gefährden könnte. Die Regierung argumentiert, dass Ferrand nur zurücktreten müsse, falls die Justiz ein Verfahren einleitet. Macron hat sich zu dem Thema bislang sehr zurückgehalten. Ohnehin ist die Kommunikation des Präsidenten extrem kontrolliert und wohldurchdacht.

Prägende Auftritte

Vorläufiger Höhepunkt: Seine TV-Ansprache nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen. Mit dem Slogan «Make our planet great again» – eine Anspielung auf die Parole von US-Präsident Donald Trump, Amerika "wieder grossartig" zu machen – inszenierte er sich als Vorkämpfer für den Klimaschutz. Ein Renner im Internet.

Schon zuvor hatten Macrons erste Treffen mit Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin für Schlagzeilen gesorgt: der kalkuliert feste Händedruck mit dem US-Amerikaner in Brüssel, die Propaganda-Standpauke für die kremlnahen Medien Sputnik und Russia Today beim Besuch Putins im Schloss von Versailles.

«Auf den Boden zurückkommen»

Der Franzose feilt an einem Image als starker Staatsmann. Das kommt in Frankreich gut an - auch wenn die rechtsextreme Marine Le Pen bereits mäkelte, Macron solle «auf den Boden zurückkommen».

Wichtig ist auch, wie stark die Kräfte links- und rechtsaussen im Parlament werden. Das Mehrheitswahlrecht macht es für kleine Parteien schwer: In die Nationalversammlung kommen nur die Politiker, die ihren Wahlkreis gewinnen. In den meisten Wahlkreisen dürfte die Entscheidung erst in einer Stichwahl am 18. Juni fallen.

(sda/moh)