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Studie
Patienten kommen vor den Finanzen

Spritze: Die Einführung der SwissDRG hat nicht zu «blutigen Entlassungen» geführt.   Keystone

Es war ein fundamentaler Systemwechsel - und entsprechend gross waren die Ängste. Nun zeigt eine Studie, dass zumindest eine Befürchtung nicht zutrifft: Es gibt keine «blutigen Entlassungen».

Veröffentlicht am 22.09.2014

Die Erwartungen an die neue Spitalfinanzierung waren gross. Mit fixen Pauschalen, die ein Spital pro Fall erhält, sollten die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen gebremst werden. Doch eine Analyse des Krankenkassenverbands Santésuisse zeigte, dass die Reform nicht kostenneutral ist, wie die «Handelszeitung» im Mai schrieb. 2012, im Jahr der Einführung der Fallpauschalen, kam es im Bereich Spital stationär zu einem Kostenschub von 8,2 Prozent. Das liegt deutlich über dem langjährigen Wachstum von rund 4 Prozent pro Jahr.

Die Einführung von Fallpauschalen zur Finanzierung von Spitalleistungen hat aber nicht zu «blutigen Entlassungen» geführt. Dies belegen der Spitalverband H+ und die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH mit einer Studie. Sie zeigt auf, dass nur leicht mehr Leistungen und Kosten in den ambulanten Bereich verschoben wurden.

Einsparungen von rund 64 Millionen Franken

Die Studienautoren gehen davon aus, dass durch die teilweise Verlagerung von Leistungen in den ambulanten Bereich im Jahr 2012 rund 91 Millionen Franken eingespart werden konnten. Die Kosten, die in diesem Bereich entstanden, schätzen die Autoren auf 27 Millionen Franken, wie sie am Montag vor den Medien bekannt gaben.

Unter dem Strich seien so rund 64 Millionen Franken eingespart worden. Durch die Verlagerungen gesamter Behandlungen in den ambulanten Bereich - etwa Meniskusoperationen oder Krampfadernbehandlungen - seien rund 9 Millionen Franken eingespart worden.

Patienten vor Finanzen

Längerfristig entstehe durch die Einführung der Swiss DRG, der Fallpauschalen, ein Effizienzsteigerungspotenzial durch kürzere Aufenthaltsdauer im Akutspital von jährlich über einer Milliarde Franken.

Die Auftraggeber der Studie zeigten sich zufrieden mit den Resultaten der Studie. «In der Medizin bleibt die Medizin der primäre Treiber», sagte H+-Direktor Bernhard Wegmüller. FMH-Vizepräsident Pierre-François Cuénoud ist ebenfalls froh, dass «die Patienten vor den Finanzen kommen».

Allerdings sieht er Handlungsbedarf beim Tarmed-System, um Fehlanreize abzuschaffen. Er forderte mittelfristig leistungsgerechte Vergütungen ambulanter Leistungen und langfristig Komplexpauschalen zur Vergütung der medizinischen Leistungen über die gesamte Behandlungskette eines Patienten hinweg.

 (sda/ise/ama)

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