Im Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölriesen Petrobras nimmt die Justiz die führenden Industriellen des Landes ins Visier. Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) hat ihre Untersuchungen in diesem Korruptionsskandal ausgeweitet.

Auf Drängen der brasilianischen Bundespolizei soll nun auch gegen die Spitze des grössten brasilianischen Baukonzerns Odebrecht und dessen Tochterfirmen ermittelt werden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch berichtete, arbeiten Schweizer Behörden seit März mit Brasilien in diesem Fall zusammen.

Rechtshilfegesuch an Brasilien

«Die Bundesanwaltschaft hat mehrere Untersuchungen in der Affäre Petrobras eröffnet», sagte BA-Sprecherin Nathalie Guth gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Bundesanwaltschaft habe gegenüber Brasilien ein Rechtshilfegesuch gestellt.

Wie es bei der BA hiess, werden Odebrecht und dessen Tochterfirmen verdächtigt, Schweizer Konten für Schmiergeldzahlungen an ehemalige Petrobras Führungskräfte benutzt zu haben. Letztere verfügen demnach ebenfalls über Schweizer Konten.

Odebrecht-Chef verhaftet

Marcelo Odebrecht, der Geschäftsführer der brasilianischen Odebrecht, wurde letzten Monat in São Paulo verhaftet. Es wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft bald eine Anklage gegen ihn eröffnen wird, dies im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal um Petroleo Brasileiro SA, besser bekannt als Petrobras.

Gemäss brasilianischer Staatsanwaltschaft haben frühere Petrobras-Führungskräfte, darunter Spitzenmanager Paulo Roberto Costa sowie Perdo Barusco, Schmiergeldzahlungen von Odebrecht angenommen.

Geldwäscherei und Korruption

In der Affäre geht es um den Verdacht auf Geldwäscherei und Korruption im Zusammenhang mit dem Kauf von Bohrinseln des Ölkonzerns Petrobras, wie die Agencia Brasileira Montag mitteilte. Odebrecht hat 181'000 Mitarbeiter und ist in 23 Ländern tätig. Seit Monaten wird im Rahmen der Operation Lava Jato ein Korruptionsnetz offengelegt, auch viele Politiker des fünftgrössten Landes sollen bestochen worden sein.

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Petrobras ist das grösste Unternehmen Brasiliens mit einem Jahresumsatz von rund 140 Milliarden US-Dollar. Der frühere Petrobras-Spitzenmanager Costa wurde in dem Verfahren zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler prüfen in umfangreichen Verfahren Unregelmässigkeiten in Milliarden-Höhe.

(sda/mbü)