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Politik fordert Stopp bei Bevölkerungswachstum

Wohnen in der Zürcher Agglomeration: Die Zersiedlung der Schweiz beschleunigt sich. (Bild: Keystone)

Die Schweiz zählt demnächst 8 Millionen Einwohner – und die Zersiedelung der Schweiz beschleunigt sich. Erste Gemeinden stoppen bereits die Neuansiedlung von Firmen.

Veröffentlicht am 05.08.2012

Neuste Zahlen aus der Arealstatistik des Bundes, die der Zeitung «Der Sonntag» vorliegen, zeigen: In den vergangenen 24 Jahren nahm die Siedlungsfläche um 24 Prozent zu. Die überbaute Fläche entspreche damit der Grösse des Genfersees, bestätigt Rudolf Menzi, Sprecher des Bundesamts für Raumentwicklung, gegenüber dem «Sonntag».

Die Zahlen rütteln die Politik auf. Vertreter aller Parteien orten Handlungsbedarf bei der Zuwanderung: Die Schweiz ertrage nicht mehr als 8 Millionen Einwohner, sagt die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran dem «Sonntag»: «Mehr Menschen wären technisch machbar, aber nicht wünschbar, da mit hohen Folgekosten aller Art verbunden und erst noch extrem unsolidarisch mit Europa.»

Auch SVP-Präsident Toni Brunner fordert: «Die Zahl der Einwohner muss sich im Bereich von rund acht Millionen Einwohnern stabilisieren.» GLP-Präsident Martin Bäumle hingegen glaubt, bei einer «nachhaltigen Gesellschaft» seien «10 Millionen verkraftbar», mit der heutigen Verschwendungsgesellschaft aber schon 6 Millionen «nicht nachhaltig».

CVP-Präsident Christophe Darbellay geht noch weiter. Er hält «12 Millionen Einwohner in 50 Jahren» für «vertretbar», wenn das Land attraktiv bleibe und seine Hausaufgaben löse. Keine konkrete Zahl nennen will FDP-Präsident Philipp Müller: «Es kommt darauf an, ob die Leute in die Gesellschaft und Wirtschaft integrierbar sind.» Er will aber die Einwanderung aus Drittstaaten bremsen.
 
Erste Gemeinde stoppt Neuansiedlung von Firmen
 
Der Boom von Oensingen (SO) ist beispiellos. In nur vier Jahren stieg die Bevölkerungszahl von 4700 auf 5700 an. Mehrere Unternehmen errichteten hier aufgrund der guten Lage zudem einen Standort. Nun hat die Gemeinde gemäss dem «Sonntag» den Notstopp gezogen. Inzwischen lehne man Firmen ab, die zu viel Land beanspruchten, sagt Gemeindepräsident Markus Flury (FDP).

«Wenn eine Firma mehr als 150 Quadratmeter Fläche pro Arbeitsplatz braucht, muss sie schon sehr gute Gründe vorweisen, damit sie in Oensingen bauen darf.» Flury: «Wir ertrinken schon so im Verkehr.»

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, will Oensingen die Verkehrsplanung nun gemeinsam mit den Nachbargemeinden angehen, die im Kanton Bern liegen. «Alleine können wir das nicht mehr lösen.» Oensingen ist, wie die Luftaufnahmen des «Sonntag» vom Mutschellen (AG) und aus Gelterkinden (BL) beweisen, keine Ausnahme.

(aho)

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