Als Reaktion auf Offshoring-Pläne von Swisscom IT Services (ITS) wollen Politiker an beiden Enden des Spektrums den Staatsbetrieb an die Leine nehmen. Man müsse die «Outsourcing-Pläne der Swisscom im Keim ersticken», sagte SVP-Ständerat This Jenny zur «Handelszeitung».

«Diese Politiker verkennen die unternehmerische Realität, welcher Swisscom ITS ausgesetzt ist», kommentiert Giorgio Pardini von der Gewerkschaft Syndicom die Forderungen. Selbstverständlich sei Syndicom als Gewerkschaft grundsätzlich gegen die Auslagerung von Jobs ins Ausland - allerdings könnten eine Gewerkschaft ein solches Projekt nicht verhindern.

«Swisscom IT Services hat ein objektives Problem», so Pardini. «Anders als die Telefoniesparte des Konzerns ist ITS der internationalen Konkurrenz ausgesetzt. Wenn selbst andere Staatsbetriebe wie die SBB die hohen Preise kritisieren, bleibt nichts anderes übrig, als nach Lösungen zu suchen.»

Bei einem Projekt wie «Evian», wo versuchsweise einige Stellen der Swisscom IT Services nach Indien ausgelagert werden sollen, will die Gewerkschaft den Vorgang deshalb nicht bekämpfen, sondern «kritisch begleiten». Das Unternehmen habe auch versprochen, für die Betroffenen Lösungen zu finden.

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Schweiz soll in Ausbildung investieren

«Würden wir uns dem Prozess kategorisch verweigern, könnten wir überhaupt keinen Einfluss nehmen», so Pardini.  Die Ziele dabei seien einerseits, dass den betroffenen Mitarbeitern intern wieder eine Stelle zugewiesen wird und sie gegebenenfalls weitergebildet werden. Andererseits solle eruiert werden, wie man trotz der Auslagerung Wertschöpfung in die Schweiz zurückholen könne.

Wichtig ist für Syndicom, dass hiesige IT-Arbeiter nicht einfach dem Wettbewerb zum Opfer fallen, sondern auf künftige Entwicklungen vorbereitet werden. «Man muss schon lange im Voraus künftige Entwicklungen antizipieren und die Angestellten für neue Technologien ausbilden», fordert Pardini.

«Indische IT-Arbeiter sind mittlerweile nicht nur günstiger als Schweizer», gibt Pardini abschliessend zu bedenken. «Sie sind mittlerweile auch oft besser - und Top-Programmierer verdienen auch in Indien 200'000 US-Dollar.» Um mitzuhalten, müsse die Schweiz hier vor allem in die Ausbildung investieren. So könne man auch die Zukunft des IT-Werkplatzes sichern - und nicht, indem man die Unternehmen einschränke.