Die tschechische Polizei hat gestern Donnerstag mehrere Vertraute und Parteifreunde von Ministerpräsident Petr Necas festgenommen. Bei einer massiven Razzia wegen Korruptionsverdachts durchsuchten Beamte Büros in der Regierungszentrale und im Verteidigungsministerium.

Das Vorgehen der Polizei-Sondereinheit zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (UOOZ) gleicht einem politischen Erdbeben. Zu den Verhafteten zählen der Ex-Agrarminister Ivan Fuksa, der frühere Abgeordnete Petr Tluchor sowie die Kabinettschefin von Ministerpräsident Necas, Jana Nagyova. Necas sagte in einer kurzen Stellungnahme, er sehe keinen Grund zu einem Rücktritt.

Illustre Geschäftsleute inhaftiert

Neben den inhaftierten Politgrössen befinden sich laut mehreren tschechischer Medienberichte auch die Geschäftsleute Roman Janoušek und Ivo Rittig in Haft. Die beiden äusserst erfolgreichen Geschäftsläute haben sich im Machtzirkel Prags seit Jahren diverse Protégés gehalten.

Zumindest Roman Janoušek ist den Schweizer Behörden bestens bekannt. 2009 ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen Verdachts auf Geldwäscherei, bestätigte Mediensprecherin Jeannette Balmer handelszeitung.ch. Allerdings wurde das Verfahren im März 2011 eingestellt, die in der Schweiz blockierten Vermögenswerte wurden wieder freigegeben. Laut «The Prague Post» wurden zwischenzeitlich 13 Millionen Franken eingefroren.

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Laut der Tageszeitung «Mladá fronta Dnes» lagerte Janoušek die Millionen in einem Konto der inzwischen gelöschten Kredietbank (KBL) mit Domizil in Genf. Das Konto soll auf den Namen der Firma «Botanic Finance» gelautet haben. Ein weiterer Betrag soll sich auf 80 Millionen Euro belaufen haben. Untersucht wurden offenbar Geldströme in der Schweiz, Panama, Liechtenstein, Grossbritannien und Zypern.

Verdacht: Politische Deckung

In tschechischen Medien wird unterdessen spekuliert, ob Roman Janoušeks Verhaftung etwas mit den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zu tun habe. Fakt ist: Die Tschechische Republik hat in der Schweiz nie ein Rechtshilfegesuch in diesem Fall gestellt. Das bestätigte Folco Galli vom Bundesamt für Justiz handelszeitung.ch.

Offenbar gab es jedoch Bemühungen der Schweiz, in der Tschechischen Republik an wichtige Informationen zu kommen - gemäss tschechischen Medienberichten vergebens. Böse Zungen in Prag behaupten: Die Akten wurden bewusst nicht gliefert, ein Vorgehen, das Schweizer Behörden aus Russland zur Genüge kennen.