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Attentat
Polizei in Boston auf der Spur eines Verdächtigen

Bomben am Marathon: Über 180 Verletzte, 3 Tote. (Bild: Keystone)

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Boston-Marathon wurde ein Verdächtiger identifiziert. Die Polizei dementiert bisher seine Verhaftung.

Veröffentlicht am 17.04.2013

Nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon verfolgen die Ermittler nach eigenen Angaben eine erste Spur. Auf Überwachungsvideos sei ein Verdächtiger identifiziert worden, hiess es am Mittwoch. Polizei und Staatsanwaltschaft dementierten aber offiziell einen Bericht des US-Nachrichtensenders CNN, ein Verdächtiger sei festgenommen worden.

CNN hatte unter Berufung auf Sicherheitskreise zudem gemeldet, bei der Auswertung eines Überwachungsvideos sei ein Mann entdeckt worden, der vor den Explosionen eine schwarze Tasche am Tatort abgestellt habe.

Bei dem Anschlag waren am Montag drei Menschen getötet worden. Zu der Tat hat sich niemand bekannt. Die Ermittler waren zuletzt mehr als 2000 Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen.

Sprengsätze in Nylon-Taschen

CNN berichtete nach der ersten Meldung über eine Festnahme selbst unter Berufung auf drei Vertreter der Ermittlungsbehörden, es sei doch niemand festgenommen worden.

Bundesgericht Boston evakuiert

Aus zunächst ungeklärtem Grund evakuierten Sicherheitskräfte am Mittwoch das Bundesgericht in Boston. Gerichtsbedienstete und Medienvertreter wurden zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert und sollten sich zudem von dem Gebäude entfernen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters vor Ort berichtete.

Experten untersuchten weiter die Überreste der Sprengsätze - offenbar zu Splitterbomben umgebaute Schnellkochtöpfe, die mit Schwarzpulver, Nägeln und Stahlkugeln gefüllt waren. Der Tatort war auch am Mittwoch abgesperrt. Teile der Sprengsätze wurden auf den Dächern gefunden.

Nach Angaben des FBI wurden unter anderem schwarze Gewebestücke sichergestellt. Nach bisherigem Erkenntnisstand seien beide Sprengsätze mit schwarzen Nylon-Taschen oder Rucksäcken an die Explosionsorte gebracht worden.

Spekulationen über Motiv

Es gebe ein breites Spektrum von Motiven, sagten Ermittler. Auch sei unklar, ob es sich um einen oder mehrere Täter gehandelt habe. Der Zeitpunkt des Anschlags spreche für einheimische Extremisten, die einen mächtigen Staat ablehnten.

Am Montag wurde in Massachusetts der Patriots' Day begangen, der an den Unabhängigkeitskrieg erinnert. Am 15. April läuft in den USA zudem die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ab. Steuern sind für einige amerikanische Extremistengruppen ein Reizthema.

Hunderte Menschen hatten am Dienstagabend in Boston der Opfer gedacht. Mehr als 1000 Menschen versammelten sich in einem Park in der Nähe des Hauses des getöteten Jungen zu einer Kerzenwache. Auch an anderen Orten in Boston kamen Menschen zum Gedenken zusammen.

Noch 17 Verletzte in Lebensgefahr

Der Uno-Sicherheitsrat drückte den Opfern des Anschlags bei einer Sitzung am Mittwoch sein «tiefes Mitgefühl» aus. US-Präsident Barack Obama will am Donnerstag in Boston bei einem Gottesdienst für die Opfer eine Rede halten.

Spitalmitarbeitern zufolge wurden mindestens zehn Opfern Gliedmassen amputiert. Am Mittwoch schwebten noch 17 Verletzte in Lebensgefahr.

Insgesamt waren beim Anschlag mehr als 180 Menschen verletzt worden. Bei den drei Todesopfern handelt es sich um einen achtjährigen Buben, eine 29-jährige Amerikanerin und eine Studentin aus China.

(tno/chb/sda)

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