Nach den tödlichen Schüssen auf einen unbewaffneten Schwarzen im US-Bundesstaat Oklahoma ist eine Polizistin formell des Totschlags beschuldigt worden. Gegen die Beamtin sei Haftbefehl erlassen worden, erklärte Staatsanwalt Steve Kunzweiler am Donnerstag in Tulsa.

Der Polizistin wird vorgeworfen, am vergangenen Freitag auf einer Strasse in Tulsa den 40-jährigen Schwarzen Terence Crutcher erschossen zu haben. Der Vorfall war von Polizeikameras aufgezeichnet worden.

Polizistin hat sich angeblich bedroht gefühlt

Auf den Bildern ist zu sehen, wie der Mann mit erhobenen Händen an seinem Auto lehnt - es sieht so aus, als kooperiere er mit den Beamten. Dann trifft ihn der Schuss einer Polizistin, er stürzt zu Boden, woraufhin ein weiterer Polizist eine Betäubungswaffe abfeuert.

Laut Ermittlungsunterlagen gab die Polizeibeamtin an, sie habe sich von Crutcher bedroht gefühlt - obwohl dieser keine Waffe trug und sich auch in seinem Auto keine Waffe befand.

Wenige Tage nach dem Vorfall in Tulsa war in Charlotte im Bundesstaat North Carolina ein weiterer Schwarzer von Polizisten erschossen worden. Nach Polizeiangaben trug der 43-jährige Keith Lamont Scott eine Handfeuerwaffe und stellte eine Bedrohung dar. Nach Angaben seiner Familie und Nachbarn trug Scott ein Buch - keine Waffe - und wartete auf den Schulbus, um seinen kleinen Sohn abzuholen.

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Demonstrant durch Kugel getötet

Die Familie des Toten forderte nun die Veröffentlichung von Videoaufnahmen des Vorfalls. Die Angehörigen hätten die Aufzeichnungen am Donnerstag zu sehen bekommen, teilten die Anwälte der Familie mit. Um Transparenz zu schaffen, müsse die Polizei diese nun auch öffentlich machen.

Der Todesfall hatte in Charlotte Proteste ausgelöst. In der Nacht zum Donnerstag waren hunderte Menschen auf die Strasse gegangen. Es kam zu Zusammenstössen, die Polizei setzte Tränengas ein. Dabei traf eine Kugel einen 26-Jährigen in den Kopf. Er erlag am Donnerstag im Spital seinen Verletzungen, wie die Zeitung «Charlotte Observer» berichtete. Nach Angaben der Behörden war es aber nicht die Polizei, die auf ihn geschossen hatte.

US-Polizei erschoss 2016 über 700 Menschen

Nach neuen Protesten in Charlotte verhängte Bürgermeisterin Jennifer Roberts am Donnerstagabend eine Ausgangssperre. Die Massnahme sollte um Mitternacht (Ortszeit/6.00 Uhr MESZ) in Kraft treten und bis 6.00 Uhr morgens gelten, wie die Stadt im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Zuvor hatte Gouverneur Pat McCrory bereits den Ausnahmezustand über der Stadt verhängt. Die Nationalgarde war im Einsatz.

In den USA gibt es seit Monaten schwere Auseinandersetzungen wegen der Polizeigewalt. Mehrere Vorfälle, bei denen Polizisten unbewaffnete Schwarze töteten, lösten landesweite Proteste aus. In diesem Jahr erschossen US-Polizisten nach Angaben der «Washington Post» bereits 706 Menschen, unter ihnen 163 Schwarze.

(sda/gku)