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Popularitätswettbewerb - und weiterhin exorbitante Löhne

Der Banker und der Hoteldirektor: Am Ende bleibt alles, wie es ist - Theater-Szene aus «Das Ende vom Geld» von Urs Widmer.

Wem die Schweizer bei der Abzocker-Initiative ihre Stimme geben würden, war eigentlich von Anfang an klar. Ebenso klar ist leider auch, dass sich nach der heutigen Abstimmung nichts ändern wird.

Von Jeffrey Vögeli
am 03.03.2013

Heute hat das Stimmvolk dem Establishment der Schweiz einen Denkzettel verpasst. Dieses Resultat zeigt auf, wie wenig es der Regierung und der Wirtschaftselite hierzulande möglich ist, das Stimmvolk zu manipulieren. Das Resultat zeigt ebenfalls auf, dass der Bundesrat bei nächster Gelegenheit darauf verzichten sollte, einer schlechten Initiative mit einem ebenso unausgegorenen Gegenvorschlag zu begegnen.

Weil «Abzockerei» ein wirklich starker, emotionaler und doch ziemlich diffuser Begriff ist, etablierte sich schnell die Meinung, dass man generell dagegen sein musste. Wie könnte man auch nicht? Wer nicht gegen Abockerei ist, muss eigentlich dafür sein. Und dafür zu sein, heisst womöglich, dass man selbst bei Gelegenheit jeden abzocken würde, der nicht aufpasst. Ein Verdacht, dem sich niemand aussetzen will.

So kam ein Gegenvorschlag zustande, dessen einziger Vorteil war, dass er direkt im Gesetz verwirklicht worden wäre. In Stossrichtung und Inhalt gab es kaum Unterschiede. Das zeigte sich auch daran, dass die Befürworter des Gegenvorschlags Mühe hatten, die wenigen Unterschiede zur Initiative zu erklären.

Aus diesen Gründen verkam der heutige Urnengang zu einem Popularitätswettbewerb zwischen dem ehrlichen, mittelständischen Unternehmer Minder und den finanziell schlagkräftigen, geschniegelten Funktionären von Economiesuisse. Oder besser: zwischen Wilhelm Tell und der Besatzungsmacht, welche dem Volk alles glaubt zumuten zu können. Wem die Schweizer da ihre Stimme geben würden, war eigentlich von Anfang an klar.

Ebenso klar ist leider, dass sich auch nach der heutigen Abstimmung nichts ändern wird. Denn solange ein Unternehmen den Aktionären regelmässig mehr Geld in die Tasche spült, ist es im Interesse aller Anteilseigner, Geschäftsleitung und Verwaltungsrat an Bord und das Schiff insgesamt auf Kurs zu halten. Deshalb werden weiterhin exorbitante Löhne ausbezahlt werden und die Kleinaktionäre werden weiterhin nichts zu sagen haben. Und das alles, weil die beteiligten Parteien lieber gut vor dem Volk dastehen wollten, statt ernsthaft die Corporate Governance der Schweizer Unternehmen zu verbessern.

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