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«Post-Werbung erinnert an Sozialismus»

Lukas Reimann: «Man hat sich bei der Post verzettelt.»   Keystone

In einem Imagefilm wirbt die Post für ihre vielfältigen Dienste. Völlig unnötig, kritisiert SVP-Nationalrat Lukas Reimann – und schiesst gegen die staatseigene Aktiengesellschaft.

Von Tobias Keller
am 17.03.2014

Durch den Briefkastenschlitz wird die Postkundin in «das gelbe Universum» eingesaugt und erlebt dessen Inneres. So der Einstieg zum Imagefilm der Post. Dieser ist aktuell auf den Webseiten vieler Onlinemedien, aber auch in den Werbefenstern des Schweizer Fernsehens SRF zu sehen.

Auf Anfrage wollte die Post keine Angaben über die Kosten der Produktion machen. Doch der professionell gestaltete Film dürfte gut und gerne eine sechststellige Summe verschlungen haben. Der Spot richte sich laut Post vor allem an Geschäftskunden und soll die vielfältigen Möglichkeiten des Betriebes aufzeigen.

Das filmische Schaffen der Post-Marketingabteilung kommt nicht überall gut an. Der St.Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann ärgert sich über das teure Werk – und schiesst im Gespräch mit handelszeitung.ch scharf.

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie den Imagefilm zum ersten Mal gesehen haben?

Lukas Reimann: Ich habe nur den Kopf geschüttelt. Auf der einen Seite ist die Post mit massiven Sparmassnahmen unterwegs – da werden auf dem Land noch immer Poststellen gestrichen sowie der Service-Public abgebaut. Trotzdem hat die Post offenbar Geld für eine derart massive Imagekampagne. Mit diesem Geld liessen sich sicher zahlreiche ländliche Poststellen erhalten.

Hat die Post ein Imageproblem, das eine solche Kampagne überhaupt nötig wird?

Das habe ich mich auch gefragt. Der Post würde mehr Markt und Wettbewerb nicht schaden. Dann müsste sie sich anstrengen – und könnte nicht auf solche Kampagnen setzen. Die beste Werbung für die Post wäre, wenn sie mit einem guten Service, einer lokalen Verankerung und mit Briefen, die ankommen, auf sich aufmerksam macht. Dann bräuchte es nicht solch teure Imagefilme.

Ist die Post zu einem zu grossen Gemischtwarenladen geworden, wo der Bürger offensichtlich nicht mehr weiss was neben Brief und Paket sonst nicht angeboten wird?

Man hat sich bei der Post zu sehr verzettelt. Die Post ist tatsächlich zu einem Gemischtwarenladen geworden. Doch der Trend geht eigentlich in die andere Richtung, in Richtung Spezialisierung. Die Schweizer Post ist dank des staatlichen Monopols zu einem Gemischtwarenladen geworden – und kann praktisch alles anbieten.

Interessant zu beobachten ist, dass der Post-Film sehr prominent in den SRG-Werbefenstern zu sehen ist. 

Dies finde ich äusserst fragwürdig, dass man genau bei der SRG die Werbung schaltet. Das erinnert doch schwer an Sozialismus, wenn der eine Staatsbetrieb den anderen Staatsbetrieb so unterstützt und finanziert. Doch am Schluss bezahlt es der Postkunde oder der Steuerzahler – aber sicher nicht die Staatsbetriebe.

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