Neben der Satellitenortung durch GPS gibt es heute mehr als ein Dutzend Technologien, die indirekt die Personenortung zulassen. Handys können auf 100 Meter, Wireless-LAN gar auf einen Meter genau lokalisiert werden. Geotagging von Digitalbildern im Internet gibt den Aufnahmeort preis, die IP-Adresse des Internetzugangs sogar Strasse und Hausnummer.

«Diese Technologien bringen viele Vorteile, haben aber auch sehr kontroverse Aspekte», erklärte Sergio Bellucci, Geschäftsführer des Schweizer Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss), vor Medien. So habe die Ortungs-App der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega schon Menschenleben gerettet.

Weiter könnten Einsätze von Ambulanzen geplant, Personen wie Demenzkranke überwacht oder der Verkehr gesteuert werden. Kritisch werde es hingegen, wenn solche Positionsdaten für Marketing- oder Überwachungszwecke missbraucht würden.

Gewisse Leistungen von Geräten beruhten zwingend auf Ortungstechnologien, ohne dass der Nutzer davon wisse, erklärte Studienleiter Lorenz Hilty, Professor für Informatik an der Universität Zürich und an der Empa St. Gallen. «Wir sind zunehmend abhängig von der Ortung.» Damit ginge die Freiwilligkeit der Nutzung sowie die Kontrolle über die Daten verloren.

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Verlust der Privatsphäre

Ortungstechnologien seien ein Risiko für die Privatheit, warnte auch Bruno Bäriswil, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich. «Jeder hat das Recht, sich im öffentlichen Raum unbeobachtet zu bewegen und darf selbst bestimmen, wer ihn orten darf.» Dies garantiere die Verfassung.

Das Schweizer Datenschutzgesetz schreibe zwar Transparenz sowie eine Einwilligung des Beobachteten vor, erklärte Bäriswil. Doch das Gesetz wirke nicht genügend, wie 2011 eine Evaluation durch den Bundesrat ergeben habe.

Ängste vor dem Überwachungsstaat

Trotzdem dürfe die Nutzung von Geodaten nur bei schwerwiegenden Gründen eingeschränkt werden, relativierte Alain Buogo vom Bundesamt für Landestopographie Swisstopo. Zum Beispiel seien die geographischen Messungen und das Grundbuch von Swisstopo das Fundament des Immobilienmarktes mit einem geschätzten Wert von 2000 Milliarden Franken.

Auch das Bundesamt für Strassen (ASTRA) ist für das nationale Verkehrsmanagement immer mehr auf Positionsdaten von Einzelpersonen angewiesen. Navigationsgeräte und Handy melden ihre Positionsdaten und erlauben es, Reisezeiten oder Staubildung hochzurechnen. "Durch Anonymisierung soll aber sichergestellt werden, dass Persönlichkeitsrechte und Datenschutz nicht verletzt werden", sagte Urs Luther vom ASTRA.

Überwachung am Arbeitsplatz regeln

Angesichts des beachtlichen Missbrauchspotenzials fordern die TA-Swiss-Forscher die Politik zum Handeln auf. «Wir benötigen effiziente Sanktionsmöglichkeiten beim Missbrauch der Daten», sagte Hilty. Weiter müsse der Datenschutz international durchgesetzt werden.

Es fehlten zudem klare Regelungen zur Ortung von Mitarbeitenden am Arbeitsplatz und Demenzkranken sowie zur Videoüberwachung. Das Recht jedes Einzelnen auf Löschen der Daten müsse garantiert werden, fordert TA-Swiss.

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Sobald Ortungssysteme für wichtige staatliche Dienste wie Rettung oder Verkehr dienen, seien sie ins Schweizer Programm zum Schutz kritischer Infrastrukturen aufzunehmen. Weiter regte TA-Swiss eine Zertifizierung für verlässliche und transparente Softwareprodukte im Ortungsbereich an.

(chb/laf/sda)