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Profitiert die Schweiz vom Abstieg Londons?

Der Brexit wird dem Finanzplatz London schaden, sind Experten sicher. Kann die Schweiz davon profitieren? Hierzulande frohlocken Experten bereits, eine Charmeoffensive des Bundes läuft.

Veröffentlicht am 26.06.2016

Der Austritt Grossbritanniens aus der EU dürfte den Exodus von Banken aus dem Finanzzentrum London antreiben. Ausserdem dürfte der Zugang britischer Geldhäuser zum Binnenmarkt der Europäischen Union begrenzt werden, sagte der niederländische Finanzminister und Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem dem Sender RTL. In der Schweiz liebäugelt man bereits mit einer Stärkung des Finanzplatzes Schweiz. 

Die Begrenzung des Zugangs zum EU-Binnenmarkt sei der Preis, den das Land für den sogenannten Brexit bezahlen werde, so Dijsselbloem. Konkurrierende Finanzzentren in Europa dürften dagegen profitieren. Vor ein paar Jahren habe London noch in der asiatischen Ausgabe der Wirtschaftszeitung «Financial Times» damit geworben, dass die Stadt der richtige Ort sei, wenn man Geschäfts in der EU machen wolle. Nun könne Grossbritannien damit niemanden mehr anlocken, denn die Asiaten dürften nach Amsterdam oder Frankfurt gehen.

«Wünschenswert, wenn Schweiz profitieren würde»

Auch die Schweiz könnte vom Einfluss und Ansehensverlust des Londonder Finanzplatzes, analysieren die Ökonomen des Forschungsinstituts Bak Basel. «Es ist davon auszugehen, dass viele Banken zumindest Teile ihres Geschäfts auf den Kontinent verlagern werden», analysierte Chefökonom Martin Eichler. Dies stärke wohl primär den Finanzplatz Frankfurt und andere Euro-Finanzmärkte. «Es wäre wünschenswert, wenn auch die Schweiz davon profitieren würde.»

Tatsächlich ist für Bern der Aufstieg des Finanzplatzes seit einigen Wochen bereits Chefsache. Bundesrat und Bankbranche planen eine Charmeoffensive für den Schweizer Finanzplatz im Ausland, berichtete die «Handelszeitung» kürzlich. Treibende Kraft ist Finanzminister Ueli Maurer persönlich. «Wir verfolgen das Ziel einer stärkeren Förderung des Finanzplatzes im Ausland», sagte Beat Werder vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF).

Grosse Anstrengungen der Schweiz

Die Schweiz habe in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um die internationalen Standards in der Geldwäschereibekämpfung und der Steuerkonformität zu erfüllen. «Wir möchten das in Zukunft vermehrt im Ausland thematisieren.» Gut möglich, dass also auch die Schweiz vom drohenden Abstieg Londons profitiert.

(sda/reuters/moh)

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