Die prorussischen Milizen im ukrainischen Slawjansk haben die verschleppten Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) als Nato-Spione bezeichnet. Sie würden nicht freigelassen, sondern «nur gegen unsere eigenen Gefangenen getauscht».

Dies sagte der Milizenführer Denis Puschilin, der der selbsterklärten Republik Donezk vorsteht, am Samstag Reportern vor dem Sitz der Spezialkräfte in Slawjansk, wo die Beobachter festgehalten werden.

«Zwischenfälle verschärften die Situation»

Der OSZE-Sonderbeauftragte für die Ukraine, der Schweizer Diplomat Tim Guldimann, sagte am im «Morgenecho» des deutschen Senders WDR 5 mit Blick auf die Beobachter, es liefen derzeit «intensive Bemühungen für die Lösung des Problems».

Es sei «ganz klar», dass die Zwischenfälle die Situation verschärften, sagte Guldimann. Trotz der anhaltenden Spannungen in der Region wertete er es als positiv, dass die internationale Gemeinschaft mit der OSZE-Mission «Augen und Ohren vor Ort hat, um festzustellen, was objektiv passiert».

«Sie sind keine Geiseln, sie sind Kriegsgefangene»

Der prorussische Milizenführer in Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarew, hatte am Freitagabend die festgesetzten OSZE-Beobachter als «Kriegsgefangene» bezeichnet. «Wir haben insgesamt zwölf Personen festgenommen, darunter vier ukrainische Offiziere», sagte der selbsternannte Bürgermeister der «Bild»-Zeitung.

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«Sie sind keine Geiseln, sie sind Kriegsgefangene.» Sie hätten «keine Genehmigung für ihre angebliche Beobachtermission» gehabt. Es bestehe der Verdacht, dass sie Spione waren, sagte Ponomarew und verwies auf verdächtige Karten.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte zuvor angegeben, es seien 13 Mitglieder der OSZE-Mission, darunter vier Deutsche, festgesetzt worden. Auch ein Däne und ein Schwede befänden sich unter den Beobachtern.

(sda/dbe)