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Streik
Protest: Viele Katalanen bleiben zu Hause

Protest: Viele Katalonen bleiben zu Hause
Studentenprotest (am Montag): Viele Katalanen sind wütend auf die Zentralregierung. Keystone

Der Streit um die Unabhängigkeit Kataloniens setzt sich fort. Am Dienstag steht das Leben in weiten Teilen der Region still – der Generalstreik wird breit befolgt.

Der aus Protest gegen Polizeigewalt ausgerufene Generalstreik in Katalonien hat am Dienstag grosse Teile der Region im Nordosten Spaniens lahmgelegt. Am Ausstand beteiligten sich unter anderem Hafenarbeiter, Verkehrsbetriebe Universitäten und Museen. Beim Fussballklub FC Barcelona fiel das Training aus, auch das Personal der Sagrada Familia, der berühmten Basilika in der Regionalhauptstadt, legte die Arbeit nieder.

Der katalanische Präsident Carles Puigdemont zeigte sich überzeugt, dass der Streik sehr breit befolgt werde. Gleichzeitig ermahnte er Demonstranten zu friedlichen Protesten gegen die Polizeigewalt vom Sonntag. «Lasst Euch nicht durch Provokationen aufregen. Die Welt hat es gesehen: Wir sind friedliche Menschen», erklärte er per Twitter unter Anspielung auf die harte Polizeigewalt vom Sonntag. Die spanische Regierung ihrerseits prangerte am Dienstag eine «Verfolgung» von Staatspolizisten durch katalanische Separatisten an. Innenminister Juan Ignacio Zoido warnte am Dienstag, man werde «alles nötige unternehmen», um die «Verfolgung zu stoppen».

«Mafiöses Verhalten»

Zoido hatte zuvor eine Dringlichkeitssitzung mit den Chefs der Polizei-Einheiten Guardia Civil und Policía Nacional abgehalten. Danach hatte er sich auch mit Ministerpräsident Mariano Rajoy beraten. Auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Saénz de Santamaría kritisierte am Dienstag die Demonstrationen gegen die Polizei in Katalonien und gab den separatistischen Politikern der Region die Schuld. «Wir werden mafiöses Verhalten der Gemeinden in Katalonien nicht tolerieren», sagte sie in Madrid vor Journalisten.

Wegen Polizeieinsätzen, die die von der Regionalregierung ausgerufene und gerichtlich untersagte Abstimmung verhindern sollten, mussten sich am Sonntag nach amtlichen Angaben mehr als 840 Personen medizinisch behandeln lassen.

Proteste und Rauswurf

Etwa 2000 Personen demonstrierten am Dienstag haben in Barcelona vor dem Gebäude der in Spanien regierenden konservativen Volkspartei PP. Die PP sei schuld an der Polizeigewalt vom vergangenen Sonntag, zitierte die Nachrichtenagentur Europa Press am Dienstag Teilnehmer.

In den vergangenen Tagen hatte es in Katalonien bereits zahlreiche Proteste gegen die Polizei gegeben - unter anderem vor den Hotels, in denen die aus Madrid entsandten Beamten untergebracht sind. Hotels in den Küstenorten Calella und Pineda de Mar warfen sogar Hunderte von Polizisten hinaus. Bei der Volksabstimmung am Sonntag stimmten der Regionalregierung zufolge 90 Prozent für die Loslösung der Region vom spanischen Königreich. Die Beteiligung lag bei 42 Prozent. Die Abstimmung war vom spanischen Verfassungsgericht als unrechtmässig bezeichnet worden.

(sda/mbü/me)

 

 

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