1. Home
  2. Politik
  3. Proteste bringen Hongkongs Börse ins Schleudern

Kundgebung
Proteste bringen Hongkongs Börse ins Schleudern

Tränengas gegen Demonstranten: In Hongkong weiten sich Proteste aus.   Keystone

In der Nacht zu Montag haben in Hongkong erneut Tausende demonstriert. Mittlerweile sind die Demonstranten abgezogen. Es waren die grössten Protestzüge seit 1997. Hongkongs Börse verliert stark.

Veröffentlicht am 29.09.2014

In Hongkong haben sich die Proteste von Demokratie-Befürwortern nach Behördenangaben am Montag wieder beruhigt. Die Regierung teilte mit, sie habe die Bereitschaftspolizei aus den Strassen abgezogen. Zuvor seien die Demonstrationen allmählich abgeflaut.

Ein Regierungssprecher forderte die Demonstranten auf, die Protestschauplätze so friedlich wie möglich zu verlassen. Am Wochenende hatte die Polizei Pfefferspray, Tränengas und Gummiknüppel eingesetzt, um Tausende von Demonstranten auseinanderzutreiben, die sich im Zentrum des Hongkonger Finanzbezirks versammelt hatten. Sie hatten am Montag die Blockade des Finanzdistrikts fortgesetzt und legten nicht nur das Bankenviertel in Central auf der Insel Hongkong, sondern auch andere Teile der chinesischen Sonderverwaltungsregion lahm. 

Hongkongs Leitindex im Minus

Die Proteste belasteten die Aktienmärkte: Aus Furcht vor einem Überschwappen der Demonstrationen auf das übrige China fassten Anleger Aktien am Montag nur mit spitzen Fingern an. Dax und EuroStoxx50 notierten jeweils knapp im Minus bei 9493 beziehungsweise 3213 Punkten. Investoren reagierten sehr sensibel auf das mögliche Aufflammen weiterer Krisenherde, sagte Marktstratege Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler.

Dies drückte den Hongkonger Leitindex Hang Seng knapp zwei Prozent ins Minus. Gleichzeitig nahmen einige Anleger Kurs auf den «sicheren Hafen» US-Dollar. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, gewann am Montag 0,2 Prozent und markierte mit 85,798 Punkten den vierten Handelstag in Folge ein Vier-Jahres-Hoch. 

«Wir wollen kein Chaos in Hongkong»

Der Hintergrund der Proteste: Die Demonstranten fordern mehr Demokratie in der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole. Regierungschef Leung Chun Ying rief die sieben Millionen Hongkonger am Montagmorgen zur Ruhe und Ordnung auf. Er dementierte Gerüchte, dass seine Regierung die chinesische Volksbefreiungsarmee um Hilfe gebeten habe. In einer Erklärung forderte er die Demonstranten auf, nach Hause zu gehen. «Wir wollen kein Chaos in Hongkong.» 

Protest gegen Beschluss von Chinas Regierung

Die Demonstranten lehnen sich gegen einen Beschluss der kommunistischen Führung Chinas auf, bei der Wahl des Chefs der Sonderverwaltungszone 2017 nur vorab ausgewählte Kandidaten zuzulassen. Damit ist eine Kandidatur von Regierungskritikern faktisch unmöglich. Es sind inzwischen die schwersten Krawalle in Hongkong seitdem die ehemalige britische Kronkolonie 1997 wieder Teil Chinas wurde.

(sda/me/chb)

 
Anzeige