In Brasilien sind mehr Menschen bei den Massenprotesten gegen Präsidentin Dilma Rousseff auf die Strasse gegangen als erwartet. Nach Polizeiangaben forderten am Sonntag allein in der Finanzmetropole Sao Paulo trotz Regens mehr als eine Million Demonstranten ihre Absetzung.

In Rio de Janeiro sangen die Menschen die Nationalhymne und skandierten «Dilma raus». Der Oppositionsführer Aecio Neves sprach von einem Tag, an dem die Brasilianer «auf die Strasse gegangen sind, um sich auf ihre Tugenden, ihre Werte und auch ihre Träume zu besinnen». Rousseff selbst hatte am Samstag erklärt, sie unterstütze das Recht der Demonstranten auf Meinungsfreiheit.

Petrobras-Skandal würgt Rousseff

Rousseff hatte die Wahl im Oktober knapp gewonnen und damit eine zweite vierjährige Amtszeit. Ihr Rücktritt oder die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gelten als unwahrscheinlich. Brasilien steckt seit fünf Jahren in einer Wirtschaftskrise. Zudem wird das Land von einem Korruptionsskandal beim staatlichen Energiekonzern Petrobras erschüttert.

Nach Angaben eines früheren Managers des Unternehmens erhielt Rousseffs Arbeiterpartei (PT) bis zu 200 Millionen Dollar an Schmiergeldern von Petrobras. Die Staatschefin selbst sass dem Konzern von 2003 bis 2010 vor. Sie betont aber, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben. Auf obersten Gerichtsbeschluss wird gegen Dutzende Abgeordnete und Senatoren sowie Ex-Minister aus der PT-Regierungszeit ermittelt.

(reuters/ise/chb)