In einer der bislang drastischsten Sparmassnahmen schliesst Griechenland vorübergehend seine staatlichen Hörfunk- und Fernsehsender. Die drei Fernsehkanäle und die Hörfunkprogramme des Senders ERT - die pro Jahr 300 Millionen Euro verschlingen - würden ab Mitternacht ihren Betrieb einstellen, teilte Regierungssprecher Simos Kedikoglu  über den staatlichen Sender mit. Die Sender seien «ein typischer Fall unglaublicher Verschwendung» geworden, begründete er den Entschluss der Regierung.

Die Sender sollen zu einem späteren Zeitpunkt ihren Betrieb wieder aufnehmen, aber mit weniger Beschäftigten und einer schlankeren Struktur. Die derzeit etwa 2600 Mitarbeiter erhalten eine Entschädigung und können sich später in der neuen Organisation wieder bewerben, erläuterte Kedikoglu.

Beschäftigte des Senders versammelten sich nach der Ankündigung in grosser Zahl vor der Zentrale in Athen. Sie kündigten an, gegen die Entscheidung zu kämpfen und riefen andere Medien dazu auf, ihre Arbeit aus Protest ebenfalls einzustellen. Private Sender unterbrachen ihr reguläres Programm und sendeten als Zeichen der Solidarität sechs Stunden lang Wiederholungen und Werbung.

Der freie Journalist Kostas Kallergis schrieb am Abend bei Twitter, ERT-Journalist hätten angkündigt, das Gebäude nicht zu verlassen. Noch vor Mitternacht berichtete er ausserdem, in Athen sei der Empfang schon nicht mehr möglich.

Anzeige
— Kostas Kallergis (@KallergisK) 11. Juni 2013

Kein Platz für heilige Kühe 

Die Schliessung soll dazu beitragen, die Auflagen des Sparprogramms zu erfüllen, das die internationalen Geldgeber dem Land auferlegt haben. Griechenland hatte erst am Montag einen herben Rückschlag bei der Privatisierung von Unternehmen hinnehmen müssen, da es keinen einzigen Käufer für die Gasfirma Depa auftreiben konnte. Die Inspektoren der Troika waren am Montag in Athen eingetroffen, um die Fortschritte des Landes bei der Umsetzung des Sparprogramms zu untersuchen.

«In einer Zeit, in der das griechische Volk Opfer bringen muss, gibt es keinen Platz für Aufschub, Zögern oder Heilige Kühe», sagte der Regierungssprecher. Ein Sprecher der Journalisten-Gewerkschaft dagegen erklärte, der Journalismus selbst werde verfolgt. «Wir werden nicht zulassen, dass die Stimme Griechenlands zum Schweigen gebracht wird.»

Die Entscheidung dürfte auch zum Testfall für die wackelige Koalitionsregierung von Ministerpräsident Antonis Samaras werden: Seine beiden kleineren Koalitionspartner lehnten die Schließung umgehend ab und beklagten sich darüber, in der Sache nicht angehört worden zu sein. 

(tno/reuters)