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Resignation
Proteste in Hongkong: «Occupy Central» gibt auf

Polizisten: Die Regierung greift durch.   Keystone

Seit Wochen dauern die Proteste in Hongkong. Die Regierung wurde zusehends repressiver. Nun ruft die Bewegung «Occupy Central» ihre Anhänger dazu auf, die Demonstrationen niederzulegen.

Veröffentlicht am 02.12.2014

In Hongkong haben die Gründer der Demokratiebewegung «Occupy Central» einen Tag nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen ihre Anhänger zur Beendigung der wochenlangen Proteste aufgefordert. Studentenanführer Joshua Wong rief gleichzeitig zu neuen Demonstrationen auf.

Die Anhänger der Demokratiebewegung sollten sich erneut in der Innenstadt versammeln, sagte Wong am Dienstag. Zugleich appellierte er an die Führung der chinesischen Sonderverwaltungszone, den Dialog mit den Studenten wieder aufzunehmen.

Kapitulation angekündigt

Benny Tai von der prodemokratischen Occupy-Central-Bewegung dagegen forderte die Studenten auf, ihre Proteste zu beenden und stattdessen, «tiefe Wurzeln» in der Gesellschaft zu schlagen und ihre Bewegung zu verwandeln.

Seine Bewegung «Occupy Central» werde sich auf ihre «Kapitulation» vorbereiten. Er selber werde sich am Mittwoch mit den beiden anderen Mitbegründern der Bewegung der Polizei stellen.

Die Erklärung folgte auf heftige Zusammenstösse am Montag, bei denen dutzende Menschen verletzt wurden. Es waren mit die schwersten Ausschreitungen seit Beginn der Proteste vor mehr als zwei Monaten.

Um die teilweise Blockade der Innenstadt aufzulösen, ging die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Demonstranten vor. Zahlreiche Menschen wurden dabei verletzt. Hongkongs Verwaltungschef Leung Chun Ying warnte die Demonstranten davor, zu den Barrikaden zurückzukehren und kündigte ein «entschlossenes Handeln» der Polizei an.

«Polizei ausser Kontrolle»

Tai erklärte, die Polizei sei «ausser Kontrolle» und es sei Zeit, «diesen gefährlichen Ort» zu verlassen. Er hatte Occupy Central Anfang 2013 zusammen mit Chan Kin Man und Chu Yiu Ming gegründet, um auf politische Reformen in der chinesischen Sonderverwaltungszone zu dringen.

Auf dem Höhepunkt der Demonstrationen waren bis zu 100'000 Menschen auf die Strassen der früheren britischen Kronkolonie gegangen. Zuletzt verloren die drei Aktivisten gegenüber radikaleren Studenten aber zunehmend an Einfluss.

Kein Kompromiss

Die Proteste verloren in den vergangenen Wochen ausserdem deutlich an Rückhalt in der Bevölkerung, die zunehmend genervt über die Blockade wichtiger Strassen in der Innenstadt ist. Wiederholte Verhandlungen mit der Führung in Hongkong brachten kein Ergebnis und auch die Regierung in Peking ist nicht zum Einlenken bereit.

Die Demokratiebewegung fordert freie Wahlen. Die Zentralregierung in Peking will den Bürgern der früheren britischen Kronkolonie zwar 2017 erstmals erlauben, den Verwaltungschef zu wählen, sie will zur Wahl aber nur vorab bestimmte Kandidaten zulassen.

(sda/ise)

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