Züri brannte. Ausgehend von der Hausbesetzerszene plünderte eine Horde Jugendlicher in der Nach auf Sonntag Geschäfte, steckte Autos in Brand und errichtete Barrikaden. Der Zürcher Rechtsprofessor Martin Killias ordnet den Vorfall ein.

Können Sie sich erklären, weshalb es zu diesem Gewaltexzess kam?

Martin Killias: An sich ist die Zerstörungswut etwas zutiefst Menschliches, einfach ein Happening im grauen Alltag, so quasi ein «Züri-Fest». Das tönt jetzt sehr salopp – aber das kommt der Wahrheit am nächsten. Solche Gewalttaten haben kaum politische Inhalte. Die Haupttriebfeder ist die pure Freude am Zerstören. Draus ergibt sich ein Problem: Wenn dies risikofrei zu erleben ist, dann machen viele einfach mit.

Die Polizei verhaftet niemanden. Das erstaunt.

Das finde ich auch erstaunlich. Hier hatte die Polizei eine falsche Taktik. Sie setzte auf Schadensbegrenzung. Geht man davon aus, dass das eine einmalige Aktion bleiben wird, spricht auch vieles dafür, dass man auf Schadensbegrenzung macht. Wenn aber Wiederholungen zu befürchten sind, vergibt man sich hier jede Chance auf Abschreckung. Dabei wäre es gemäss Artikel 260 Strafgesetzbuch möglich, bei Landfriedensbruch auch Mitläufer zur Verantwortung zu ziehen.

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Was wäre künftig ein Ansatzpunkt?

Bei einer solchen Gelegenheit sollten möglichst viele Leute verhaftet werden. Danach muss man versuchen, ein Strafverfahren zu eröffnen. Wenn das nicht gelingt, dann war zumindest eine grosse Anzahl von Leuten für eine Nacht in einer Gefängniszelle.