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Putin beschuldigt Westen der «Heuchelei»

Russlands Präsident Putin: Angst vor Isolation, trotzdem scharfe Töne.   Keystone

«Wenn ein Russe sich im Recht fühlt, ist er unbesiegbar», sagte Präsident Putin in einer Ansprache. Er schlug scharfe Töne gegenüber dem Westen an – von Russland werde blinder Gehorsam verlangt.

Veröffentlicht am 23.11.2014

Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Ukraine-Konflikt dem Westen in scharfem Ton Heuchelei vorgeworfen. Moskau werde nur als Partner akzeptiert, falls es gehorsam sei. «Wenn sich Russland das Recht nimmt, seine Interessen zu schützen, ändert sich das Verhältnis sofort», sagte er der Agentur Tass.

Putin veranschaulichte seine Aussagen, indem er an den ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin erinnerte. Dieser sei vom Westen «mit Hurra aufgenommen» worden. «Kaum erhob er aber (1999) die Stimme zum Schutz Jugoslawiens, verwandelte er sich in westlichen Augen in einen Alkoholiker», meinte Putin in dem am Sonntag veröffentlichten Interview.

Vorwürfe gegenüber USA und EU

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow warf den USA und der EU vor, einen Sturz der Führung in Moskau anzustreben. Die westlichen Sanktionen gegen Russland sollten die Wirtschaft zerstören und Strassenproteste provozieren.

Lawrow betonte, Moskau wolle zwar nicht auf die Zusammenarbeit mit der EU verzichten. Eine baldige Rückkehr zu besseren Beziehungen sei aber unmöglich.
Der Westen hat Sanktionen gegen Russlands Energie-, Finanz- und Rüstungssektor verhängt, um das Land im Ukraine-Konflikt zum Einlenken zu bewegen. Im Gegenzug verbot Moskau die Einfuhr von Lebensmitteln aus den USA und der EU.

«Ein Eiserner Vorhang wäre unser Verhängnis»

Russland wolle sich durch die Ukraine-Krise nicht in die Isolation drängen lassen, sagte Putin. «Ein Eiserner Vorhang würde uns zum Verhängnis werden.» Das Land werde aber seine Interessen verteidigen.

Dies gelte auch bei dem völkerrechtlich umstrittenen Beitritt der Halbinsel Krim zu Russland. «Weil wir stärker sind. ... Weil wir im Recht sind. Die Kraft liegt in der Wahrheit. Wenn ein Russe sich im Recht fühlt, ist er unbesiegbar», sagte der Präsident. Die Annexion der ukrainischen Krim bezeichnete er als «strategische Lösung».

Erneut Kämpfe in der Ostukraine

Die Ukraine erhält für ihren Kampf gegen Separatisten Kriegsgerät aus den USA. Washington liefere unter anderem Radareinrichtungen zur Artillerieaufklärung sowie Nachtsichtgeräte, meldeten Medien in Kiew.

In der Ostukraine kam es trotz einer offiziellen Waffenruhe erneut zu Kämpfen zwischen Regierungseinheiten und Rebellen. Mindestens vier Soldaten seien getötet worden, teilte die Führung in Kiew mit. Nach Schätzungen starben seit April in der Region mehr als 4300 Menschen.

Bergung von MH17-Wrackteilen abgeschlossen

Vier Monate nach dem Absturz der Passagiermaschine MH17 wurde in der Ostukraine die Bergung von Wrackteilen abgeschlossen. Von der Stadt Charkow aus sollen die Trümmer nun in die Niederlande gebracht werden, wo Experten nach der Ursache der Tragödie forschen. Beim Absturz waren im Juli alle 298 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

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