Im März hat Russland die Krim annektiert. Die Menschen dort hoffen nun, mit dem Anschluss an Russland, auf bessere Zeiten. Denn die Wirtschaft auf der Krim liegt am Boden, der Staatsbankrott droht. Experten rechnen mit einem Budget-Defizit von rund 1,5 Milliarden Dollar. Zwar kann die Krim auf finanzielle Hilfe unter anderem von der EU hoffen.

Putin eigentlich Gegner von Glücksspiel

Dennoch entwickelt Russlands Präsident Wladimir Putin bereits eigene Ideen, wie er der Region zu Wohlstand verhelfen will: Er plant auf der Krim eine Sonderzone für Spielcasinos. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat Putin am vergangenen Montag dem Parlament vorgelegt. Experten rechnen damit, dass die Vorlage ohne Widerstand angenommen wird. 

Putins Pläne überraschen, ist er doch ein entschlossener Gegner von Glückspielen. Laut «Businessweek» setzt Putin das Zocken mit der Abhängigkeit von Alkohol und Drogen gleich. Seine erklärte Abneigung zeigte er mit einem regelrechten Kreuzzug, der über ganz Russland hinwegfegte. 2009 reglementierte er das Glücksspiel in Russland scharf. Casinos mussten schliessen, nur in speziell errichteten Sonderzonen durften sie weiter betrieben werden.

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Heute gibt es im Land vier solcher Zonen, in denen das Zocken erlaubt ist: in der Enklave Kaliningrad, in Wladiwostok am Pazifik, in der sibirischen Altai-Region und in der Krasnodar im Süden. Das einzige legale russische Casino ausserhalb dieser Zonen ist in Azov City, gut 320 Kilometer nordöstlich von der Krim. 

Krim ist zu weit weg

Experten halten von den Plänen Putins nicht viel. Weder Casinos noch Einarmige Banditen dürften auf der Krim die Staatskasse füllen und für ein Aufblühen der lokalen Wirtschaft sorgen. Dafür fehle der Anschluss an wichtige Ballungszentren. 

Der Londoner Experte Andrew Gellatly sagt der «Businessweek», dass ein erfolgreiches und rentables Casino «einen grossen Pool aus Spielern benötigt, die aus der Nähe stammen und dorthin reisen können.» So wie etwa die Kalifornier, die nach Las Vegas reisen oder die Chinesen, die nach Macao pilgern, das rund 50 Kilometer westlich vor Hongkong liegt. 

Die Krim sei definitiv kein solches Gebiet, so Gellatly. Die Halbinsel habe kein Strassenverbindung zum russischen Festland und sei zu weit weg von jeder grösseren Stadt. Solche Hindernisse haben schon das Casino in Azov City und auch Spielhöllen in Armenien, Weissrussland und Georgien beinahe in den Konkurs getrieben.

Politische Lage schreckt Investoren ab

Im Kreml hatten Politiker bereits den Bau einer Brücke zwischen der neu hinzugewonnenen Halbinsel und dem Festland diskutiert, so die «Businessweek». Das würde jedoch Jahre beanspruchen. Und auch wenn eine solche Brücke in ferner Zukunft stehen würde: Die Krim wäre noch immer 900 Kilometer von der Haupstadt Russlands entfernt.

Ein weiteres Hindernis für grosse Bauprojekte ist die politische Lage. Weitschauende Investoren brächten ihr Geld wohl kaum in solche Regionen, so Experte Gellatly. Der rettende Idee für ein Wirtschaftswachstum wird also weiter gesucht. 

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(dbe)