Russlands Staatschef Wladimir Putin hat den abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch als den einzig legitimen Präsidenten der Ukraine bezeichnet. In der Ukraine habe sich «ein verfassungswidriger Umsturz und eine gewaltsame Machtergreifung» ereignet, sagte Putin in einem live übertragenen Fernsehinterview. Es waren seine ersten Äusserungen zu der anhaltenden Krise im Nachbarstaat.

Der russische Präsident Wladimir Putin sieht nach eigenen Angaben bisher keine Notwendigkeit für einen Militäreinsatz in der Ukraine. Das sagte Putin am Dienstag vor Journalisten im Moskauer Gebiet.

Russland erhöht Gaspreise

Russland erhöht mitten in der schwersten Krise mit der Ukraine die Gaspreise für den Nachbarn und fordert die Tilgung von Schulden. Die Ukraine könne ihre Februarrechnung für Gas nicht zahlen und stehe mit 1,529 Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das sagte der Chef des russischen Gasmonopolisten Gazprom, Alexej Miller, der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Der zuletzt gewährte 30-Prozent-Rabatt falle deshalb weg. Damit muss die Ukraine von April an wieder 400 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas zahlen – statt der 268,5 Dollar. Regierungschef Dmitri Medwedew begrüsste die Entscheidung. Wer nicht rechtzeitig zahle für Waren, müsse die Folgen tragen.

Anleger sind beruhigt

Mit seinen Worten hat Putin aber dennoch vielen Anlegern die Angst vor einer Eskalation des Konfliktes genommen. «Das hört sich alles sehr deeskalierend an», sagte ein Börsianer. «Die Kriegsgefahr scheint damit geringer zu werden.»

Putin hatte unter anderem ein militärisches Eingreifen seines Landes in der Ukraine als nicht notwendig bezeichnet. Ausserdem betonte er, dass der abgesetzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch «keine politische Zukunft» mehr habe.

Dax und EuroStoxx50 verdoppelten daraufhin ihre Kursgewinne auf jeweils etwa zwei Prozent. Die Moskauer Leitindizes legten ebenfalls weiter zu und gewannen jeweils mehr als fünf Prozent. Im Gegenzug rutschte der Preis der «Antikrisen-Währung» Gold auf 1337 Dollar je Feinunze ab. Am Ölmarkt entspannte sich die Lage ebenfalls: Der Preis für die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee fiel um 1,7 Prozent auf 109,33 Dollar je Barrel.

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(sda/awp/me/sim)