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Quellensteuer-Regime mit Wien ist am Ende

Stephansdom: Wahrzeichen der Stadt Wien. Keystone

Ab Januar gilt der automatische Austausch von Informationen mit der Europäischen Union. Das ist das Ende für das etablierte Steuerregime zwischen Bern und Wien.

Veröffentlicht am 11.11.2016

Das Quellensteuerabkommen zwischen der Schweiz und Österreich wird per 1. Januar 2017 aufgehoben. Auf diesen Zeitpunkt tritt das Abkommen zwischen der Schweiz und der EU über den automatischen Informationsaustausch in Kraft. Am Freitag haben die Schweiz und Österreich in Bern ein Abkommen unterzeichnet, das den reibungslosen Übergang zwischen beiden Modellen sicherstellen soll.

Das Quellensteuerabkommen war 2013 in Kraft getreten. Die Schweiz hatte auch mit Grossbritannien ein solches Abkommen abgeschlossen. Ein ähnlicher Vertrag mit Deutschland dagegen kam nicht zustande. Die Landesregierungen in Deutschland wollten Steuersünder weiter strafrechtlich verfolgen können.

Daseinsberechtigung verloren

Mit der Einführung des automatischen Informationsaustauschs verliere das Modell des Quellensteuerabkommens nun seine Daseinsberechtigung, schreibt das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) in einer Mitteilung vom Freitag.

Das Aufhebungsabkommen regelt insbesondere die Modalitäten bei der Überweisung der letzten Steuerbeträge und der Übermittlung der letzten freiwilligen Meldungen an die österreichischen Steuerbehörden. Das Memorandum zwischen beiden Staaten zu Fragen rund um den Marktzugang bleibt bestehen.

Bankkunden hatten die Wahl

Mit den Quellensteuerabkommen hatten Bankkunden aus den betroffenen Ländern bei der Regularisierung unversteuerter Vermögen die Wahl zwischen einer anonym übermittelten Quellensteuer und der Offenlegung von Informationen zu ihren Konten.

Die Nachbesteuerung war im Herbst 2014 abgeschlossen. Insgesamt überwies die Steuerverwaltung umgerechnet rund 715 Millionen Franken an Grossbritannien und rund 890 Millionen Franken an Österreich. Mit Grossbritannien hatte die Schweiz einen Steuersatz zwischen 21 und 41 Prozent vereinbart, mit Österreich zwischen 15 und 38 Prozent.

Über 40'000 Meldungen

Zahlreiche Kunden entschieden sich dafür, ihr Vermögen offenzulegen. Von den Kundinnen und Kunden mit Wohnsitz in Österreich waren es insgesamt 24'337, von jenen mit Wohnsitz in Grossbritannien 21'377. Sie deklarierten Vermögen im Wert von umgerechnet rund 15,8 Milliarden Franken (Grossbritannien) beziehungsweise 7,1 Milliarden Franken (Österreich).

Ab März 2014 überwies die Steuerverwaltung auch Quellensteuern auf Kapitaleinkünften österreichischer und britischer Steuerpflichtiger. Die Steuersätze für Briten betragen zwischen 27 und 48 Prozent. Für österreichische Kunden gilt ein Satz von 25 Prozent.

(sda/ise/hon)

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