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Recycling-Gold: Tokyo 2020 will alte Handys für Olympia

Smartphones: Können ab April für Tokio 2020 abgegeben werden. Keystone

Tokio 2020 sollen die ersten Olympischen Spiele mit «grünen» Medaillen werden. Dazu müssen die Japaner fleissig alte Smartphones spenden. Gefragt sind Millionen Geräte mit ihrem wertvollen Inhalt.

Von Michael Gassmann («Die Welt»)
am 04.02.2017

Medaillen aus Bronze, Silber und Gold werden seit Jahrzehnten bei Olympischen Spielen vergeben, aber bei dem Wettbewerb im Jahr 2020 in Tokio werden sie zum ersten Mal komplett aus Recycling-Metall sein. Genauer: Aus Handyschrott. «Die Ressourcen unserer Erde sind begrenzt. Wenn wir recyceln, denken wir an die Umwelt», sagte der Sportdirektor von Tokio 2020, Koji Murofushi. Wenn man so will, erhalten die Sportler in Tokio also erstmals «grüne Medaillen». 

Ab April werden in den Shops des japanischen Telekom-Riesen NTT Docomo Sammelboxen aufgestellt, kündigte der Sportdirektor an. NTT ist für die Aktion eigens eine Allianz mit der Recycling-Firma Japan Environmental Sanitation Centre eingegangen. Die Japaner können in den Handy-Läden ihre ausgedienten Smartphones, aber auch andere Haushaltskleingeräte abgeben.

5000 Medaillen sind das Ziel

Das Projekt werde so lange fortgesetzt, bis genug Altmaterial für die Gewinnung von insgesamt acht Tonnen Metall zusammenkomme, so die Olympia-Organisatoren. Gebraucht werden 40 Kilo Gold und jeweils knapp drei Tonnen Silber und Bronze sowie Legierungsstoffe – das reiche dann, um die 5000 Medaillen zu pressen, die für die Olympischen und die Paralympischen Spiele gebraucht werden.

Das Organisationskomitee will mit der Idee nicht nur Geld sparen, sondern auch erreichen, dass die Spiele im Land populärer werden. Alle Japaner könnten sich so an der Herstellung der Metalle beteiligen, mit denen die erfolgreichsten Athleten später ausgezeichnet würden, sagte Murofushi: «Gerade für die Kinder wird es eine einmalige Erinnerung sein, wenn sie etwas Eigenes hergegeben haben, um die Schaffung dieser Metalle zu ermöglichen.»

Geschätzte zwei Tonnen Gold in deutschen Handys 

Um das Mengenziel zu erreichen, werden Millionen Altgeräte zusammenkommen müssen. Je nach Typ enthalten Smartphones etwa 250 Milligram Silber und 25 Milligramm Gold. Nach Schätzungen stecken mehr als zwei Tonnen Gold in den rund 100 Millionen Handys, die in Deutschlands Haushalten vorhanden sind. Das gelbe Edelmetall verhindert beispielsweise die Oxidation von Kontakten und Leitungen.

Neben Silber und Gold sind regelmässig weitere wertvolle Stoffe wie Platin, Palladium, Lithium, Kobalt und Nickel enthalten. Für die Trennung sind aufwendige chemische und mechanische Prozesse erforderlich. Ob sich damit wirklich nennenswerte Kostensenkungen erreichen lassen, gilt als fraglich.

Noch ein Schritt weiter als Rio 2016

Viele Japaner würden es sich wohl wünschen. Das Budget für Olympia 2020 war zwischenzeitlich auf bis zu 35 Milliarden Dollar angeschwollen, es wurde inzwischen durch diverse Sparmassnahmen auf 21 Milliarden Dollar (19,5 Milliarden Euro) eingedampft. 

Die Verwendung von Recycling-Metall für Olympia-Medaillen ist keine Premiere in Tokio. Schon bei den Olympischen Spielen in Rio stammte ein Drittel des Silber- und Bronze-Materials aus Wiederverwertung. Die komplette Nutzung von Altmetall und die Kombination mit einer Sammelaktion für Alt-Handys hat es so allerdings noch nie gegeben.

Dieser Text erschien zuerst bei «Die Welt» unter dem Titel «Olympia-Gold aus Japans Handy-Schrott».

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