Die Altersvorsorge 2020 ist eine technisch anspruchsvolle Abstimmung. Die Abstimmungskampagne hat einige Leute verunsichert. Kurz vor dem Abstimmungssonntag hier deshalb nochmals ein Überblick aus ökonomischer Sicht.

Die Altersvorsorge 2020 stabilisiert die Finanzen der AHV und der 2. Säule - ohne dass die Renten sinken. Sie modernisiert die Schweizer Altersvorsorge: Teilzeitmitarbeiter erhalten bessere Pensionskassenrenten. Ältere Arbeitslose können bei der Pensionskasse des früheren Arbeitgebers bleiben. Für Neurentner gibt es einen AHV-Zuschlag von 70 Franken. Angesichts des Tiefzinsumfeldes und den damit verbundenen Schwierigkeiten in der 2. Säule ist das eine ökonomisch vernünftige Lösung.

Arbeitnehmerverbände waren für höheren AHV-Zuschlag

Alle Arbeitnehmerverbände sagen Ja zur Altersvorsorge 2020. Obwohl ihr Wunschprogramm natürlich anders aussehen würde. Sie waren für einen höheren AHV-Zuschlag. Die Rentenalter-Erhöhung bei den Frauen stiess bei ihnen auf grossen Widerstand.

Ein Nein käme die Arbeitnehmenden jedoch wesentlich teurer zu stehen. Bis eine neue Vorlage auf dem Tisch ist, vergehen viele Jahre, in denen die AHV immer tiefer in die roten Zahlen abgleiten wird. Denn selbst der extra für die Abstimmungskampagne weichgespülte «Plan B» der Arbeitgeber wäre zum Scheitern verurteilt. Gewisse Leute sind gegen die Altersvorsorge 2020, weil das Frauenrentenalter steigt und weil sie mehr für die Pensionskasse zahlen müssen.

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Der «Plan B» lohnt sich finanziell – wenn überhaupt – nur für Topverdiener und grosse Firmen. Das zeigen die Rechnungen des Bundesamtes. Sehr teuer wird es insbesondere für Junge mit tieferen und mittleren Einkommen. Ein 24-jähriger Mann mit einem Lohn von 55‘000 Franken müsste beispielsweise 37‘875 Franken mehr einzahlen als bei der Altersvorsorge 2020.

Senkung der Mehrwertssteuer ist Theorie

Bei einem Nein würden bis zu 3 Milliarden Franken in die Kassen der Unternehmen statt in die AHV fliessen. Das sind gegen 1000 Franken pro Schweizer Haushalt. Die Altersvorsorge 2020 sieht vor, dass die AHV bereits auf den 1. Januar 2018 zusätzlich 0.3 Mehrwertsteuerprozente erhält. Dieses Geld geht noch bis Ende Jahr in die Invalidenversicherung IV. Danach ist Schluss, weil diese IV-Finanzierung befristet ist. Bei einem Nein, sind diese 0.3 Mehrwertssteuerprozente verloren. Die Unternehmen müssten die Mehrwertssteuer von heute 8.0 eigentlich auf neu 7.7 Prozent senken. Doch das ist Theorie. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Firmen Mehrwertssteuersenkungen nicht oder nur unvollständig weitergeben. Die Preise sinken deshalb kaum. Weil die Unternehmen eine gewisse Marktmacht gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten haben.

Aus diesen Gründen braucht es ein doppeltes Ja zur Altersvorsorge 2020. Bei einem Nein gerät die AHV in eine finanzielle Schieflage. Der Druck, das Rentenalter zu erhöhen und die Leistungen zu kürzen, wird zunehmen. Oder es wird viel teurer als mit Altersvorsorge 2020.  

* Daniel Lampart ist Chefökonom der Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.

Jeden Tag veröffentlicht die «Handelszeitung» in dieser Woche einen Kommentar zur anstehenden Abstimmung über die Altersvorsorge 2020. Bereits veröffentlicht: