Pasok-Chef Evangelos Venizelos traf am Dienstag mit dem Dimar-Vorsitzenden Fotis Kouvelis zusammen, dem laut Umfragen beliebtesten Politiker in Griechenland. Beide gaben sich anschliessend zuversichtlich.

«Griechenland muss und wird schnellstmöglich eine Regierung haben», sagte Venizelos. Bis Mittwochmittag könnte das Land eine neue Regierung haben, sagte Venizelos am Abend in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung. Zudem werde seine Partei am Mittwoch entscheiden, in welcher Form sie sich an der Regierung beteilige.

Die Einbindung der Demokratischen Linken in die Regierung würde der geplanten grossen Koalition aus der Nea Dimokratia (ND) von Antonis Samaras und der Pasok von Venizelos mehr Stabilität verleihen.

Bei der zweiten Parlamentswahl binnen sechs Wochen am Sonntag war die ND stärkste Kraft geworden. Mit den ihr deswegen zuerkannten 50 Bonussitzen verfügt sie über 129 Mandate, gefolgt vom Linksbündnis Syriza mit 71 Sitzen und der Pasok mit 33 Sitzen.

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Dimar, eine Rechtsabspaltung von Syriza, kam auf 17 Mandate. Die drei Parteien ND, Pasok und Dimar kämen im 300 Sitze zählenden Parlament zusammen auf 179 Mandate.

Fristenverlängerung angestrebt

Sobald die Regierung steht, will Griechenland einen Aufschub der vereinbarten Sparauflagen um mindestens zwei Jahre beantragen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa schlossen sich die Konservativen und die Dimar diesem Vorschlag der Sozialisten an. Pasok-Chef Venizelos nannte im Wahlkampf für die Fristverlängerung das Zieldatum 2017.

Am Dienstag schlug er die Bildung einer "nationalen Verhandlungsmannschaft" vor, die die Änderung und Abschwächung der harten Sparauflagen durchsetzen soll. Die Sozialisten mahnten jedoch: «Noch haben wir keine Regierung. Deswegen können wir nicht von einem genauen Programm sprechen.»

Ein Sprecher der EU-Kommission erinnerte am Dienstag erneut an die offizielle Linie der EU: Die Vereinbarungen samt Sparauflagen mit Griechenland würden nicht nachverhandelt. Griechenland bekommt gerade nach einem ersten Hilfsprogramm und einem Schuldenschnitt Kreditzahlungen aus einem zweiten Hilfsprogramm von Euro-Ländern und IWF.

Als Bedingung für die Zahlungen in Höhe von 130 Milliarden Euro muss die griechische Regierung eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Die bisherige Vereinbarung sieht etwa vor, dass Athen bis 2014 weitere rund 11,5 Milliarden Euro einsparen muss. Bisher haben die Sparbemühungen das Land aber in eine noch tiefere Rezession und zu noch weniger Steuereinnahmen geführt.

Sparschraube lockern

Hinter den Kulissen scheint in Brüssel deshalb die Bereitschaft zu wachsen, das Griechenland angelegte Sparkorsett doch etwas zu lockern. Keiner der Meilensteine des zwischen der alten Regierung und den internationalen Geldgebern vereinbarten Reformprogramms liege im Plan, hiess es am Dienstag aus diplomatischen Kreisen in Brüssel: «Wenn wir nicht nachverhandeln, machen wir uns Illusionen.»

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Ein hochrangiger Euro-Zonen-Vertreter sagte, Vertreter der drei Geldgeber EZB, IWF und EU-Kommission («Troika») würden nach Athen reisen, sobald eine neue Regierung stehe. Die Verhandlungen würden sich über den Sommer hinziehen.

(chb/sda)