Irakische Truppen haben im Westteil der Stadt Mossul die wichtigsten Regierungsgebäude erobert sowie die Filiale der Notenbank und ein Museum. Der Gebäudekomplex sei von einer Eliteeinheit in der Nacht erstürmt worden, teilte ein Armeesprecher am Dienstag mit.

Die zum grössten Teil zerstörten Häuser wurden zwar von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht genutzt, ihre Eroberung hat aber einen wichtigen symbolischen Wert für die irakischen Streitkräfte. Als der IS 2014 die Stadt einnahm, filmten Extremisten sich bei der Plünderung der Notenbank und bei der Zerstörung historischer Statuen im Museum von Mossul. Die irakischen Sicherheitskräfte haben laut dem Armeesprecher auch ein Gebäude eingenommen, in dem der Oberste Gerichtshof des IS residiert hat. Er ist berüchtigt für harsche Urteile wie Steinigungen, das Abhacken von Händen oder das Hinabstürzen Verurteilter von Dächern.

Erbitterte Gegenwehr

Heckenschützen des IS beschossen am Dienstag die von den irakischen Truppen eroberten Gebäude weiter. Scharfschützen der irakischen Eliteeinheit erwiderten das Feuer und töteten nach eigenen Angaben mindestens vier IS-Kämpfer. Der irakische Kommandant sagte, die IS-Kämpfer wehrten sich erbittert. Die meisten von ihnen seien Ausländer und hätten keinen Ort, wo sie hinkönnten.

Die jüngsten militärischen Erfolge der irakischen Sicherheitskräfte in Mossul machen den Weg frei für den Kampf gegen die Extremisten in der Altstadt. Das gilt als kompliziertester Teil der Offensive, weil dort Hunderttausende Zivilisten leben, die von den IS-Kämpfern als menschliche Schutzschilde missbraucht werden.

IS-Hauptstadt im Irak

In der Altstadt befindet sich auch die Nuri-Moschee, in der IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi 2014 das Kalifat ausgerufen hatte, einen Religionsstaat, der sich von Irak bis nach Syrien erstreckten sollte. De facto ist Mossul die Hauptstadt der sunnitischen Extremisten im Irak, in Syrien ist es Al-Rakka, wo ebenfalls eine Offensive zur Vertreibung des IS läuft.

Mossul liegt an beiden Ufern des Tigris. Zunächst hatten die irakischen Streitkräfte den Ostteil eingenommen, bevor sie am 19. Februar ihre Offensive im Westen starteten. Unterstützt werden sie von einer Militärallianz unter Führung der USA, die dem IS vor allem mit Luftangriffen zusetzen.

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«Das Spiel ist vorbei»

Als die irakische Armee und ihre Verbündeten am 19. Februar den Angriff auf West-Mossul begannen, hielten sich nach Einschätzung von Hilfsorganisationen dort noch etwa 750'000 Einwohner auf. Mehr als 210'000 sind nach Angaben der Vereinten Nationen seitdem aus der Stadt geflohen. Tausende seien ums Leben gekommen.

Die Zahl der IS-Kämpfer schätzte die irakische Armee zu Beginn des Kampfes um Mossul im Oktober auf 6000. Seitdem dürften einige Tausend getötet worden sein. Den Extremisten stehen rund 100'000 irakische Soldaten, kurdische Peschmerga-Kämpfer und schiitische Milizen gegenüber. Die IS-Kämpfer sind zahlenmässig damit deutlich unterlegen, sie verstecken sich jedoch in der dicht besiedelten Altstadt unter den Zivilisten.

US-Brigadegeneral Matthew Isler sagte der Nachrichtenagentur Reuters auf einem Flugfeld südlich von Mossul, viele IS-Kämpfer versuchten inzwischen, aus Mossul zu fliehen. «Das Spiel ist vorbei», sagte er. Der IS versuche nur noch, das Ende hinauszuzögern.

(sda/gku)