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Regierungschef Medwedew fordert Freilassung von Pussy Riot

Yekaterina Samutsevich, Maria Alyokhina und Nadezhda Tolokonnikova während dem Prozess in Moskau. (Bild: Keystone)

Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew stellt sich gegen Machthaber Wladimir Putin und fordert die Freilassung der drei Mitglieder der Punk-Rock-Band Pussy Riot.

Veröffentlicht am 13.09.2012

Dmitri Medwedew sorgt für eine Überrachung: Der russische Regierungschef spricht sich für die Freilassung der Punk-Rock-Band Pussy Riot aus dem Gefängnis aus.

Es erscheine ihm «unproduktiv», wenn die Frauen noch mehr Zeit im Gefängnis verbrächten, sagte Medwedew laut der Nachrichtenagentur Interfax bei einem Treffen mit Mitgliedern der Regierungspartei «Einiges Russland». Die Frauen hätten ausreichend Zeit gehabt, das «Geschehene» zu überdenken. Eine Bewährungsstrafe sei ausreichend. Er wäre nicht gerne in der Rolle des Richters gewesen, fügte der gelernte Jurist hinzu.

Zwei Bandmitglieder flüchteten

Die drei Punk-Musikerinnen waren Mitte August nach einer Protestaktion gegen den heutigen Präsidenten Wladimir Putin in einer Moskauer Kathedrale wegen «Rowdytums» zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Zwei weitere Musikerinnen der Band setzten sich darauf ins Ausland ab. Der Prozess und das Urteil hatten international für Empörung gesorgt.

Derweil spricht sich Medwedew nicht nur für die Freilassung von Pussy Riot aus, sondern distanziert sich gleichzeitig von den Künstlerinnen. Die Tat und das Auftreten der drei Bandmitglieder mache ihn ebenso «krank» wie die Hysterie um das Thema, sagte der ehemalige russische Präsident. Er finde es «unangenehm», über die Gruppe zu reden.

Pussy-Riot-Anwalt begrüsst Medwedew-Aussagen

Die Verteidigung der drei Frauen begrüsste Medwedews Äusserungen. Die Tatsache, dass der Regierungschef einen weiteren Gefängnisaufenthalt der Bandmitglieder für unproduktiv halte, sei korrekt und werde von der Verteidigung unterstützt, sagte der Anwalt Nikolai Polosow der Nachrichtenagentur Interfax.

Die Anwälte wollen am 1. Oktober gegen das Urteil über zwei Jahre Lagerhaft in Berufung gehen. Es sei gut, wenn das oberste Gericht von Moskau zu einer ähnlichen Einschätzung wie Medwedew komme, sagte Polosow.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte das Urteil gegen die drei Musikerinnen als «gerechtfertigt und angemessen» bezeichnet und dies mit der Pflicht des Staates begründet, «die Gefühle der Gläubigen zu schützen».

(muv)

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