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Anti-Terror-Allianz
Regionalmächte kämpfen gegen libysche IS-Basis

Ägypten: Das Land kämpft bereits mit Luftangriffen gegen den IS in Libyen. Keystone

Die IS-Miliz hat in Libyen eine neue Machtbasis aufgebaut. Kairo und Rom haben nun offen gesagt, dass sie Hand bieten für eine militärische Intervention.

Veröffentlicht am 18.02.2015

Vor der Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats am Mittwochabend zum weiteren Schicksal des Bürgerkriegslandes Libyens haben sich Ägypten und Italien für eine mögliche Intervention in Stellung gebracht. Doch es gibt auch Gegner der Idee.

Ägypten hatte zu Beginn der Woche auf einen internationalen Militäreinsatz im Nachbarland gedrängt, nachdem dort Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mehrere ägyptische Geiseln enthauptet hatten und sich weiter im Land ausbreiten. Tunesien, als Nachbarland ebenfalls vom Zerfall Libyens bedroht, sprach sich gegen eine Intervention aus.

Laut Radiosender «Shems fm» sagte Tunesiens Ministerpräsident Habib Essid bei einem Treffen mit seinen Ministern und Präsident Béji Caïd Essebsi am Mittwoch, dass es eine politische Lösung geben müsse. Seinen Angaben nach ergreift die tunesische Regierung derzeit eine Reihe von Massnahmen, um zu verhindern, dass IS-Kämpfer nach Tunesien einreisen.

Neue IS-Machtbasis in Libyen

Die IS-Miliz hat im Bürgerkriegsland Libyen eine neue Machtbasis aufgebaut. Am Sonntag hatten IS-Anhänger ein Video veröffentlicht, das die Tötung von 21 im Land entführten ägyptischen Christen zeigt. Die Gräueltat hat in Kairo Entsetzen ausgelöst, bereits am Montag flog die ägyptische Luftwaffe Angriffe auf IS-Stellungen in Libyen. Nach libyschen Berichten sollen seither bereits knapp 800 ägyptische Gastarbeiter aus Libyen geflohen sein.

In dem ölreichen Land kämpfen zwei verfeindete Regierungen sowie schwer bewaffnete Milizen um die Macht. Eine international anerkannte Regierung tagt im ostlibyschen Tobruk, eine von Islamisten dominierte Regierung in Tripolis. Seit vergangener Woche treffen sich beide Seiten erstmals zu von der UNO vermittelten Friedensgesprächen. Dennoch bleibt das Schicksal Libyens unklar.

Italien will im Konflikt vermitteln

Italiens Aussenminister Paolo Gentiloni forderte in einer Ansprache vor dem Parlament ein schnelles Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. «Während die Verhandlungen die ersten Schritte machen, verschlimmert sich die Situation in Libyen weiter», sagte er. Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Anstrengungen erhöhen und schneller an einer politischen Lösung arbeiten. «Italien ist bereit, führende Verantwortung zu übernehmen.» Italien sei bereit, bei der Vermittlung einer Waffenruhe zu helfen und die reguläre Armee im Rahmen eines UNO-Mandates auszubilden, sagte Gentiloni.

Italien hat nicht zuletzt wegen der Flüchtlinge grosses Interesse an Stabilität in Libyen. Italiens südliche Inseln liegen nur rund 300 Kilometer von der libyschen Küste entfernt. Hunderttausende Menschen sind bereits mit Hilfe von Schlepperbanden von dort übers Mittelmeer geflohen und illegal nach Italien eingereist.

Papst betet für friedliche Lösung

Auf dem Petersplatz in Rom rief der Papst am Mittwoch bei seiner Generalaudienz dazu auf, für Frieden im Nahen Osten und in Nordafrika zu beten.

«Wir erinnern an all die Toten, Verletzten und die Flüchtlinge. Möge die internationale Gemeinschaft eine friedliche Lösung für die schwierige Situation in Libyen finden», sagte Franziskus. Über die Tötung der ägyptischen Christen hatte er sich bereits am Montag entsetzt gezeigt: «Das Blut unser christlichen Brüder ist ein Zeugnis des Aufschreis.»

 

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