Die Deutsche Bahn will während des Rekordstreiks der Lokführergewerkschaft GDL versuchen, wieder mindestens ein Drittel des normalen Angebotes aufrechtzuerhalten. Dennoch müssten sich Millionen Reisende ab Donnerstag auf massive Beeinträchtigungen einstellen, erklärte das Staatsunternehmen am Dienstag. Vorstandsmitglied Ulrich Weber kritisierte die GDL zudem scharf. «Dieser Streikaufruf macht nur noch sprachlos und ist reine Schikane.»

Während sich die Menschen darauf freuten, am Sonntag den 25. Jahrestag des Mauerfalls zu feiern, wolle die GDL mit dem längsten Streik in der Geschichte der Bahn das öffentliche Leben lahmlegen, kritisierte der Manager. Weber rief die Gewerkschaft auf, ihren Streikaufruf sofort zurückzunehmen «und sich umgehend mit uns an den Verhandlungstisch zu setzen». Die GDL hatte angekündigt, den Personenverkehr von Donnerstagmorgen bis Montagmorgen für eine Dauer von 98 Stunden zu bestreiken. Im Güterverkehr soll der Ausstand bereits am Mittwoch beginnen.

Millionengeschäft für die Busunternehmer

Den deutschen Fernbus-Anbietern spielt der Rekordstreik in die Hände. Sie rechnen mit einem Millionengeschäft. «Kommt es zu einem Streik in dieser Länge, wird es einen Umsatzzuwachs von mehreren Millionen Euro für die Branche geben», sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer, Matthias Schröter, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. «Wir sind für den Marathon-Streik gerüstet.»

Die vorangegangenen Streiks der Lokführergewerkschaft GDL habe auf manchen Strecken zu einer Verdoppelung des Fahrgastaufkommens bei den Fernbusunternehmen geführt.

«Wir bereiten uns auf einen wahren Ansturm vor»

«Wir bereiten uns auf einen wahren Ansturm vor», sagte Schröter. «Wir werden in den nächsten 100 Stunden neue Kunden gewinnen können.»
Seit der Liberalisierung 2013 expandiert der Linienfernverkehr mit Bussen in Deutschland ohnehin stark: Im vergangenen Jahr wurden 8,2 Millionen Fahrgäste befördert, fast 180 Prozent mehr als 2012. Die Bahn gehört mit BerlinLinienBus und IC Bus zu den drei grössten Anbietern neben MeinFernbus und Flixbus.

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(sda/reuters/me)