Die Franzosen waren in den vergangenen Jahrzehnten mit keinem Präsidenten so unzufrieden wie mit dem aktuellen Amtsinhaber François Hollande. In einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage des Instituts Ifop äusserten sich 74 Prozent enttäuscht von dem Sozialisten.

Dies sei der schlechteste Wert, der seit Beginn der Befragungsreihe zum Start der V. Republik im Jahr 1958 registriert worden sei, berichtete die Tageszeitung «Journal du Dimanche».

Den Negativrekord hatte bisher Hollandes konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy gehalten. Er war im April 2011 auf 72 Prozent gekommen.

Miserable Wirtschaftsdaten

Hollande steht vor allem wegen miserabler Wirtschaftsdaten und steigender Arbeitslosenzahlen unter Druck. Hinzu kommt der Schwarzgeldkonten-Skandal um den zurückgetretenen Budgetminister Jérôme Cahuzac. Er hat eine Krise des Vertrauens in die französische Politik ausgelöst.

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Homo-Ehe-Knatsch

Zwei Tage vor der endgültigen Abstimmung zur Homo-Ehe in Frankreich sind noch einmal zehntausende Gegner des umstrittenen Projekts in Paris auf die Strasse gegangen. Viele Familien mit kleinen Kindern waren dabei.

Am Platz der Bastille strömten unterdessen hunderte Befürworter der Homo-Ehe und des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare zusammen, um «für Gleichheit und gegen Homophobie» zu demonstrieren.

Nachdem die Proteste gegen mehr Rechte für homosexuelle Partner in den vergangenen Wochen oft von Gewalt überschattet waren, blieb es am Sonntag ruhig. Es gab nur zwei vorläufige Festnahmen.

Die Mobilisierung war laut Polizei mit 45'000 Teilnehmern auch deutlich geringer als am 24. März. Damals hatten offiziellen Angaben zufolge 300'000 und laut Schätzung der Organisatoren 1,4 Millionen Menschen gegen die neuen Rechte der Homosexuellen protestiert. Die Organisatoren sprachen am Sonntag von 270'000 Teilnehmern.

Auf Plakaten standen auch diesmal Parolen wie «Das Kind ist kein Recht» oder «Wir geben nicht nach, niemals, niemals, niemals». «Den Verlust einer Mutter oder eines Vaters kann man nicht zum Gesetz machen», sagte eine Demonstrantin in Anspielung auf die neuen Adoptionsregeln.

Unterstützt wurde die Bewegung von der konservativen Opposition und der rechtsextremen Front National. Auch nationalistische und radikale Gruppen nutzten den Aufmarsch erneut zur Stimmungsmache.

Befürworter halten dagegen

Zwei Kilometer vom Anfangspunkt des Strassenzugs hielten mehrere hundert Befürworter der Homo-Ehe dagegen. «Wer für mehr Gleichheit ist, muss sich auch Gehör verschaffen», sagte der sozialistische Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë der Nachrichtenagentur AFP. «Es gibt Verkrampfungen und Hass, die jetzt an die Oberfläche kommen. Wir dürfen nicht aufgeben.»

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In der Nationalversammlung war das Ende der Debatte über das neue Gesetz zur Homo-Ehe vor gut einer Woche fast in eine Schlägerei ausgeartet.

Sollte der Gesetzentwurf der sozialistischen Regierung am Dienstag endgültig in der Nationalversammlung verabschiedet werden, wäre Frankreich das weltweit 14. Land, das die Eheschliessung homosexueller Partner erlaubt. Das Gesetz sieht zudem ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare vor.

(chb/sda)