US-Präsident Barack Obama geht von einer Zustimmung des Kongresses zu einem Militärschlag als Antwort auf den mutmasslichen Giftgas-Einsatz in Syrien aus. Zugleich drängte er während eines Treffens mit führenden Vertretern des Parlaments auf eine rasche Entscheidung. «Uns schwebt eine begrenzte Massnahme vor», sagte Obama. Damit sollten die Möglichkeiten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad eingeschränkt werden, erklärte er ohne Einzelheiten zu nennen. Obama bekräftigte, einen langwierigen und verlustreichen Einsatz wie in Afghanistan und im Irak werde es nicht geben.

Es gebe einen umfassen Plan, um den Rebellen zu helfen, sagte der Präsident weiter. Zuvor hatte Obama Rückendeckung einflussreicher Oppositionspolitiker erhalten. Die beiden republikanischen Senatoren John McCain und Lindsey Graham sprachen sich grundsätzlich für einen Angriff aus, mahnten aber ambitioniertere Pläne an.

Neben McCain spricht sich auch der ranghöchste Republikaner für einen Angriff aus. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, John Boehner, rief seine Kollegen auf, sich ebenfalls hinter den Präsidenten zu stellen. Obama will den Kongress über einen Angriff auf Syrien wegen eines mutmasslichen Einsatzes von Giftgas entscheiden lassen.

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Demokraten sind skeptisch

Auf Widerstand stiess Obama dagegen in den eigenen Reihen. Vor allem Demokraten im Repräsentantenhaus äusserten sich kritisch. Sie befürchten, dass die USA in einen weiteren Konflikt in der Region hineingezogen werden. 

Währenddessen zögert auch Frankreich: Sollte der US-Kongress sich gegen einen Militärschlag in Syrien entscheiden, will auch Frankreich seine Angriffspläne absagen. Wenn die Entscheidung des Kongresses negativ ausfalle, werde Frankreich nicht alleine handeln, sagte Präsident Francois Hollande nach einem Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck. «Wir werden uns aber nicht unserer Verantwortung entziehen», betonte Hollande und kündigte an, die Opposition in Syrien weiter erheblich zu unterstützen. Nach dem Rückzieher Grossbritanniens ist Frankreich als einziges Land verblieben, das grundsätzlich einen Militärschlag der USA mittragen würde.

Flüchtlingsströme halten an

Derweil sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien mittlerweile zwei Millionen Menschen ins Ausland geflohen. Jeden Tag verlassen nahezu 5000 Syrer ihre Heimat, um vor allem in den Nachbarstaaten um humanitäre Hilfe zu bitten, wie die UNO in Genf mitteilte.

Zudem seien innerhalb Syriens etwa 4,25 Millionen Menschen aus ihren Wohnorten in andere Gebiete geflohen. UNO-Vertreter beklagten, die Aufnahmeländer sowie Hilfsorganisationen bekämen nicht genügend internationale Unterstützung für die Versorgung der Flüchtlinge.

«Syrien ist zur grossen Tragödie dieses Jahrhunderts geworden - eine beschämende humanitäre Katastrophe mit Leid und Vertreibung in einem in der jüngeren Geschichte beispiellosen Ausmass», erklärte der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres. Und weiter: «Der einzige Trost ist die Menschlichkeit, die benachbarte Länder aufbringen, indem sie so viele Menschen aufnehmen und damit deren Leben retten.»

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Flüchtlinge in Libanon, Jordanien und der Türkei

In Syriens Nachbarstaaten seien 97 Prozent der zwei Millionen Flüchtlinge untergekommen. Die humanitäre sowie die Entwicklungshilfe für diese Länder müsse angesichts der anhaltenden Flüchtlingsströme verstärkt werden, forderte Guterres.

Die meisten syrischen Auslandsflüchtlinge wurden bis Ende August mit mehr als 716'000 Menschen allein im Libanon registriert, 515'000 sind es in Jordanien und 460'000 in der Türkei. 168'000 Syrer wurden bislang im Irak sowie 110'000 in Ägypten aufgenommen. Hinzu kommen viele, die sich noch nicht bei UNO-Stellen als Flüchtlinge gemeldet haben. Mehr als die Hälfte aller syrischen Auslandsflüchtlinge - also gut eine Million - sind Kinder sowie Jugendliche bis 17 Jahre.

Syrische Armee nimmt strategisch wichtige Stadt ein

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Die syrischen Streitkräfte haben eine strategisch wichtige Stadt im Nordwesten des Landes zurückerobert. Die Armee habe mit Hilfe paramilitärischer Einheiten die Kontrolle über Ariha in der Provinz Idlib übernommen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Das syrische Militär habe die Stadt nach zehntägigen Kämpfen eingenommen.

Die syrische Armee habe zudem das nahe gelegene Gebirge Dschabal Arbain bombardiert, um auch die Kontrolle über dieses Gebiet wiederzuerlangen.

(sda/reuters/muv)