Half Donald Trump seinem Vater einst bei Steuerbetrügereien? Setzte er dazu Scheinfirmen auf? Am Dienstag veröffentlichte die «New York Times» solche Verdächtigungen, aber so richtig entsetzt zeigten sich nur wenige über den Trump-Wirbel der Woche. Es ist ja ein völlig offenes Geheimnis, dass Donald Trump und seine Entourage – anders als Barack Obama und dessen Entourage – die Steuern nicht als Grundstoff von Staat und Gesellschaft versteht, sondern bestenfalls ein notwendiges Ärgernis.

Dazu passt eine Meldung, die hierzulande kaum beachtet wurde: Der Internal Revenue Service hat ein Problem. Auf dem Schweizer Finanzplatz weckt das Kürzel IRS ja immer noch ein leichtes Grausen, nachdem sich die Bundes-Steuerbehörde der USA jahrelang als aggressive Jägerin von Schwarzgeldern, der zugehörigen Bankkunden und auch von Bankern profiliert hatte. Doch heute wirkt der finstere Tiger offenbar eher wie eine vernachlässigte Strassenkatze. Dies besagt jedenfalls ein Bericht des Non-Profit-Recherchedienstes ProPublica aus New York.

Es geht um Politik, es geht um Effizienz…

Danach sank die Zahl der Steuerfahnder in den letzten Jahren um ein Fünftel. Die Zahl der Strafverfahren, die der IRS zur Anklage bringen konnte, lag gegenüber 2010 um ein Viertel tiefer. Die Zahl der Überprüfungen von Steuerklärungen schrumpfte um fast die Hälfte – wobei diese Audits meist auch oberflächlicher ausfielen. Auf der anderen Seite mussten sich die Tax-Fahnder mehr und mehr mit anderen Aufgaben herumschlagen, zum Beispiel der neuen Mode des Identitätsdiebstahls.

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Dahinter wirkt natürlich ganz konkrete Politik: Mit Donald Trump im Weissen Haus und den Republikanern im Capitol haben sich die Gewichte verlagert. Seit 2010 strich der Kongress den IRS in mehreren Raten das Budget zusammen. Der Gesamt-Personalbestand wurde um ein Drittel gesenkt.

… aber es geht auch Moral

Aber es geht auch um Effizienz oder deren Grenzen. Denn nach einem Jahrzehnt des Infights gegen Steuer-Schemen aller Art besagen erste Bilanzen: Die Ernte war mau. Auch das zeigt die ProPublica-Recherche. So brachten all die Selbstanzeige-Programme, die der IRS zwischen 2009 und 2014 auflegte, 11 Milliarden Dollar an Nach- und Strafsteuern. Das sind schöne Beträge, gewiss. Aber es sind Peanuts angesichts eines Haushaltsdefizits von fast 900 Milliarden Dollar oder angesichts vermuteter US-Schwarzgelder über 1›000 Milliarden. Eine Studie von Ökonomen des IRS und mehrerer Universitäten hatte übrigens schon im Frühling gezeigt, dass amerikanische Bürger nach dem ganzen Trommelfeuer gegen Schweizer Banken etwa 3'500 hier versteckte Konti offengelegt hatten – auch eine enttäuschende Zahl.

Dem IRS bleibt einfach noch das moralische Argument: Sein Kampf tut die Botschaft kund, dass man das Gesetz würdigen soll, dass man Teil einer Gemeinschaft ist, dass man Pflichten hat und dass der Staat diese auch einfordert. Und so lernen wir nun: Es ist eine Botschaft, die viel Wert verloren hat. Insofern ist das Schicksal des IRS wirklich erhellend.