Tausende von Unterstützern und Neugierigen stehen in Walterboro, South Carolina, auf einem entlegenen Feld. Sie sind gekommen, um den Rockstar ihrer politischen Bewegung zu erleben, Donald Trump. Pappschilder werden geschwenkt: «Die schweigende Mehrheit ist an Trumps Seite».

Die Menge jubelt dem Milliardär zu, der es im Bewerberfeld der Republikaner mit seiner Mischung aus Grossveranstaltungen, scharfen Angriffen auf die Konkurrenten und politischer Hemmungslosigkeit ganz nach vorne geschafft hat. «Wenn wir in South Carolina gewinnen, werden wir das ganze Rennen bestimmen», ruft Trump den etwa 3000 Zuhörern zu.

Von Waffenorganisation gesponsert

Vor der nächsten Vorwahl in den USA an diesem Samstag ist seine Veranstaltung von einer örtlichen Waffenorganisation gesponsert. Bei der dritten Vorwahl liegt er in allen Umfragen mehr als 17 Prozentpunkte vorne. Texas' Senator Ted Cruz, Floridas Senator Marco Rubio, der frühere Gouverneur Jeb Bush, Ohios Gouverneur John Kasich und der frühere Neurochirurg Ben Carson: Sie alle hatten lange gezögert, es offensiv mit Trump aufzunehmen. Jetzt haben sie ihre Taktik geändert.

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«Wir werden nicht gewinnen, in dem wir uns ins Weisse Haus hineinbeleidigen», sagt Bush in einem Countryclub in Summerville. Dort wird er von Wählern gebeten, mehr gegen Trump zu unternehmen. Im Radio läuft ein Bush-Spot mit zusammengeschnittenen Ausfällen Trumps. Die heftigsten Passagen werden von einem Piepen übertönt. Die Botschaft: Steht der Milliardär wirklich für die Werte des konservativen Südstaats?

«Trump sagt, was gesagt werden muss»

«Trump ist ein Grossmaul und so widerlich, dass er niemals meine Stimme bekommen wir», sagt Christine Tunick, eine der bis dahin noch unentschiedenen Wählerinnen. Sie ist mit ihrer zwölfjährigen Tochter zu einer Veranstaltung von Marco Rubio nach Mt. Pleasant in der Nähe von Charleston gekommen.

Bisher hat Trumps heftige Sprache die meisten seiner Unterstützer allerdings nicht gestört. Im Gegenteil. Sie preisen ihn als jemanden, der frei heraus rede und Dinge sage, die sich traditionelle Politiker nicht trauten. «Er ist der erste, den ich jemals erlebt habe, der die Dinge beim Namen nennt und sagt, was gesagt werden muss», sagt eine Zuhörerin namens Diane White.

Erinnert an John F. Kennedy

Wer nicht Trump wählen möchte, hält Ausschau nach jemandem, der im ganzen Land wählbar ist und im November den Kandidaten der Demokraten aus dem Feld schlagen kann. «Wen wird man wählen können?», fragt Tom Morgan bei einer Bush-Veranstaltung. Er glaube, dass Bush ein starker, diplomatischer Anführer sein könne. Aber er sorgt sich: «Er könnte unter dem Trump'schen Fiasko begraben werden.»

Währenddessen legt Marco Rubio immer grösseren Wert auf die Botschaft, der am besten wählbare Kandidat zu sein. Als Sohn kubanischer Exilanten könne er den Republikanern am besten neue Wählerschichten erschliessen: «Wir können diese Bewegung vereinen. Wir können wachsen und gewinnen.» Ron Rash, ein 74 alter Immobilienmakler, fühlt sich von Rubios Dynamik gar an John F. Kennedy erinnert. 

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Kurz vor der Wahl versichert South Carolinas Gouverneurin Nikki Haley, die in den USA über ihren Staat hinaus prominent ist, Rubio nun ihrer Unterstützung. Für Bush war das keine gute Nachricht, attackiert er doch Rubio besonders intensiv, stellt ihn als unerfahrenen Senatsneuling dar. Bush, Rubio, Kasich: Diese drei ringen darum, der Kompromisskandidat für das Establishment der Partei zu sein.

Ted Cruz, der konservative Konkurrent

Anders Ted Cruz, er bekommt Unterstützung vom konservativen Flügel der Partei. Cruz gewann Iowa, ist Trump in manchen Umfragen mindestens hart auf den Fersen, wächst zum konservativen Konkurrenten heran und wirft dem New Yorker Wankelmütigkeit vor.

Cruz-Unterstützer Tony Nafziger wartet in Walterboro auf Trump und sagt, die wechselnden Positionen des Immobilienunternehmers machten ihn unwählbar: «Ich weiss nicht, ob er uns nicht einfach sagt, was wir hören wollen.»

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Trumps Fans sind sich ihrer Sache derweil sicher. Bubba Faust ist gleich mit elf Mitgliedern seiner Familie zu der Veranstaltung des schillernden Politikers gekommen: «Er wird diesen Staat locker gewinnen. Bei uns gibt es einfach jede Menge eingefleischter Republikaner.»

(sda/cfr/hon)