Nach der achtjährigen Präsidentschaft Mahmud Ahmadinedschads soll nun sowohl innen- als auch aussenpolitisch ein frischer Wind wehen. «Diese achtjährige dunkle Ära sollte rasch beendet und vergessen werden», sagte der moderate Kleriker und spätere Sieger Hassan Rohan im Wahlkampf - und ging damit an die Grenzen des Erlaubten.

Der Wahlslogan Rohanis lautete: Besonnenheit und Hoffnung. Als Präsident will der ehemalige iranische Atom-Chefunterhändler ein Ende der internationalen Isolation seines Landes erreichen. Seine Visitenkarte für den Westen: Unter seiner Ägide hatte der Iran 2005 sein umstrittenes Urananreicherungsprogramm kurzfristig eingestellt.

Der 64-Jährige wurde von den beiden Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani unterstützt. Hinzu kamen viele Wähler, die vielleicht nicht unbedingt für Rohani waren, den Herrschenden aber klar machen wollten: Bis hierhin und nicht weiter.

Positive Signale aus dem Weissen Haus

Rohani gewann die Wahl deutlich mit 50,7 Prozent der Stimmen bereits im ersten Durchgang, wie das Innenministerium in Teheran am Samstag mitteilte. Teherans Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf landete mit 16,6 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei, der Hardliner Said Dschalili kam als dritter auf 11,4 Prozent der Stimmen.

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«Ich freue mich, dass im Iran endlich wieder die Sonne der Vernunft und der Mässigung scheint», sagte Ruhani nach seinem Erfolg. «Ich werde zu dem stehen, was ich dem iranischen Volk versprochen habe, und werde nicht damit aufhören, bis es erreicht ist.» Sein Wahlsieg sei auch ein Sieg der Mässigung über den Extremismus, so Rohani in der Nacht auf Sonntag. Es gebe somit auch eine neue Chance in den internationalen Beziehungen für diejenigen, die Demokratie, Zusammenarbeit und freie Verhandlungen wirklich respektierten. 

Die USA sind nach Rohanis Sieg laut Angaben des Weissen Hauses zu direkter Zusammenarbeit mit Teheran bereit. Ziel sei es, eine diplomatische Lösung zu finden, die die Sorgen der internationalen Gemeinschaft angesichts des iranischen Atomprogramms ausräumen könne, sagte ein Sprecher des Präsidenten am Samstag in Washington.

Geschickter Vermittler

Der Kleriker, geboren 1948 in Sorcheh im Zentral-Iran, war 29 Jahre lang Abgeordneter und Vizepräsident des Parlaments. 1989 wurde er zum Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats ernannt. 2003 bestimmte ihn Präsident Chatami zum Chefunterhändler im Atomstreit mit dem Westen.

Unter seiner Vermittlung hatte der islamische Staat wegen seines Atomprogramms zwar Differenzen mit dem Westen, aber es gab weder eine Krise noch lähmende Sanktionen. Kurz nach dem Amtsantritt von Ahmadinedschad im Sommer 2005 trat Ruhani wegen diverser Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten zurück.

Für seine Kampagne wählte Rohani die Farbe Lila. Die Opposition hatte sich vor vier Jahren für die Farbe Grün entschieden und kam damit besonders bei den Jugendlichen gut an.

Bereits in seiner ersten Rede als Präsidentschaftskandidat übte Rohani harsche Kritik an Ahmadinedschads Atompolitik. Die Verhandlungen dürften nicht so geführt werden, dass das Land in eine politische und wirtschaftliche Krise gerate. Ahmadinedschad beherrsche nicht die Kunst der Diplomatie. Stattdessen ergehe er sich in Hetzrhetorik, die das Land an den Rand eines Krieges gebracht habe, sagte Rohani.

(tno/sda/reuters)