Es ist eine gewaltige Charmeoffensive, mit der London seit Monaten versucht, sich zu Chinas Partner im Westen zu machen. Nun kommt Staatspräsident Xi Jinping zu Besuch. Eine grosse Sache für Premier Cameron - und diplomatisch heikel, auch für die Royals.

Er diniert mit der Queen, trifft die wichtigen Royals und wohnt im Buckingham-Palast: Beim Staatsbesuch in Grossbritannien wird Chinas Präsident Xi Jinping mit allen Ehren bedacht. Er ist von Dienstag bis Freitag offiziell in Grossbritannien zu Gast, zehn Jahre, nachdem sein Vorgänger Hu Jintao einen Staatsbesuch um Vereinigten Königreich machte.

Chinesische Investitionen

Premierminister David Cameron sprach vorab von einer «goldenen Ära» im britisch-chinesischen Verhältnis. Die konservative Regierung in London hofiert das Reich der Mitte derzeit mit grossem Engagement - und handelt sich damit Kritik ein.

Ziel Camerons ist, möglichst viele chinesische Investoren nach Grossbritannien zu locken und der wachsenden chinesischen Wirtschaft britische Finanzdienstleistungen anzudienen. Kurz: London will Pekings Partner im Westen sein.

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Dafür schickte der Premier erst im September seinen Schatzkanzler George Osborne mit grossem Gefolge nach Peking. Vergessen scheint der Ärger Chinas darüber, dass Cameron sich 2012 mit dem Dalai Lama traf, dem geistigen Oberhaupt der Tibeter.

Konkret geht es zum Beispiel um chinesische Investitionen in die britische Atombranche: Schon während Xi Jinpings Besuchs könnte ein Abkommen zwischen den Staaten abgeschlossen werden, dass den Weg für einen von China mitfinanzierten Atomreaktor in Grossbritannien frei macht.

Als nächste Stufe könnte China selbst Atomanlagen in Grossbritannien bauen, wie Osborne angedeutet hat. Sicherheitsexperten warnen davor jedoch eindringlich.

Kritik der Opposition

Auch Menschenrechtsorganisationen und die Labour-Partei sehen Londons Bemühen um Nähe zur chinesischen Regierung äussert kritisch und werfen der Regierung vor, Unrecht in China nicht zum Thema zu machen. Es sind verschiedene Demonstrationen geplant.

Dass Oppositionschef Jeremy Corbyn beim Staatsbankett im Palast Verletzungen der Menschenrechte ansprechen wird, glaubt Chinas Botschaftern in London, Liu Xiaoming, aber nicht: Der Präsident komme schliesslich wegen der Zusammenarbeit, «er ist nicht da, um Menschenrechte zu diskutieren», sagte er der BBC. Briten wüssten, «wie man sich benimmt».

Thronfolger Prinz Charles wird sich beim Staatsbankett am Dienstagabend gar nicht erst blicken lassen, ohne dafür einen Grund zu nennen. Er unterstützt seit Jahren den Dalai Lama. Allerdings ist ein Treffen zwischen Charles und Xi Jinping für den Nachmittag geplant.

Neben Elizabeth II. und Prinz Philip, Prinz Charles und seiner Frau Camilla wird Xi Jinping auch Prinz William und seine Frau Kate treffen. Der älteste Enkel der Queen war dieses Jahr schon in China zu Gast.

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(sda/chb)