«Danthine hat völlig Recht!» So kommentiert der emeritierte Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann gegenüber «Handelszeitung Online» die Aussagen, welche der SNB-Vizepräsident in einem Interview mit «Finanz und Wirtschaft» gemacht hat. «Falls das skizzierte Extremszenario wirklich eintreffen sollte und die Finanzstabilität gefährdet würde, müssten wir wohl im Interesse des Landes eingreifen», prophezeit Währungshüter Dantine dort.

Damit ebnet er den Weg für die nächste Bankenrettung - für den Fall, dass die Grossbanken unter die Räder der Eurokrise kommen. Die Eurokrise stelle für die beiden Grossbanken eine «enorme Bedrohung» dar, bestätigt denn auch Wirtschaftsprofessor Wittmann. Deshalb fordert der Wirtschaftsexperte die beiden Grossbanken dazu auf, ihr Eigenkapital umgehend anzuheben.

Schweizer Grossbanken erginge es wie AIG

Die Kapitalreserven erst bis 2019 auf 19 Prozent aufzustocken, bezeichnet Wittmann im Gespräch mit «Handelszeitung Online» indes als «Witz». Der Grund: «Wenn schon, sollte man das sofort machen. Dass die Schweizer Grossbanken ausreichend kapitalisiert sind, ist eine blosse Behauptung von diesen.» Und weiter: «Die UBS und Credit Suisse haben Cedit Default Swaps (CDS) auf Anleihen von Krisenstaaten ausgegeben. Diese Risiken sind lediglich mit 1 Prozent Eigenkapital unterlegt», sagt Wittmann.

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Ginge einer der maroden Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien pleite, würden laut dem Wirtschaftsprofessor enorme Summen fällig. «Den Schweizer Grossbanken erginge es dann wie dem US-Versicherer AIG nach der Lehmann-Pleite.»

Wittmann: Investmentbanking abspalten

In diesem Zusammenhang bezeichnet Wittmann den Entscheid, das Investmentbanking nicht vom übrigen Bankengeschäft abzutrennen, als fahrlässig und zeigt mit dem Finger auf die Politik. «Dass sich die Bürgerlichen nicht für eine Abspaltung des Investmentbankings aussprechen, liegt daran, dass sie am Tropf der Grossbanken hängen.»

Auch der neuste UBS-Chef Sergio Ermotti hat sich nicht vom Investment Banking distanziert. Allerdings wundert das Wittmann nicht. «Er kommt ja aus dieser Ecke. Kein Wunder also, dass er sich nicht getraut, diesen Verlustbereich abzusondern.»

Danthine hofft auf Lerneffekt - Leutenegger Oberholzer nicht

Während Walter Wittmann die Politik zum Handeln auffordert, stärkt SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer dem SNB-Vizepräsidenten Jean-Pierre Danthine den Rücken. Die Wirtschaftspolitikerin ist davon überzeugt, dass sich die beiden Grossbanken in der Frage der Eigenkapitalerhöhung noch in den Kinderschuhen befänden. Zur Erinnerung: Obwohl UBS und CS ihre Eigenkapitaldecke in den vergangenen Monaten bereits erhöht haben, zeigt sich Währungshüter Danthine im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» mit dem Endergebnis nach wie vor unzufrieden. «Heute ist lediglich klar, dass wir noch nicht am Ziel sind, sondern in einer Übergangsphase stecken.»

Danthine hofft hingegen, dass die Finanzhäuser ihre Eigenkapital über die Vorgaben hinaus aufstocken, denn «die Krise von 2008 sollte ihnen eine Lehre gewesen sein.» An diesen Lerneffekt glaubt SP-Politikerin Leutenegger Oberholzer jedoch nicht. «Die beiden Grossbanken verfügen heute faktisch über eine Staatsgarantie. Umso schlimmer, wenn sie sich benehmen, als wären sie Privatunternehmen.»

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SVP-Ständerat Jenny verteidigt die Banken

«Ich denke, die UBS und Credit Suisse haben ihre Hausaufgaben gemacht». Mit diesen Worten stellt sich SVP-Ständerat und Bauunternehmer This Jenny im Gespräch mit «Handelszeitung Online» schützend vor die beiden Finanzhäuser. Jenny verweist zudem auf die Aussagen des ehemaligen UBS- und Credit Suisse-Konzernchefs Oswald Grübel in den vergangenen Tagen. Dieser bezeichnete im Interview mit der deutschen Zeitschrift «Capital» die UBS-Rettung während der Finanzkrise durch Nationalbank, Finanzmarktaufsicht und Bundesrat als unnötig. «Hätte die Bank damals ein entscheidungsfähiges Management gehabt, hätte sie sich meines Erachtens auch selbst retten können.»

Nichtsdestotrotz erteilt der SVP-Ständerat einer neuen möglichen Schweizer Bankenrettung eine Abfuhr. «Es ist nicht die Aufgabe der Politik, krisengeschüttelte Unternehmen vor dem Untergang zu retten.»