Die Korruptionsaffäre um Militäraufträge aus Athen zieht immer weitere Kreise: Bislang gibt es in der Schweiz zwar nur drei Beschuldigte. Das könnte sich jedoch schnell ändern: Denn in den Unterlagen der Athener Staatsanwaltschaft werden angeblich einige bekannte Finanzinstitute aus der Schweiz erwähnt – so etwa die UBS, Julius Bär und andere. Über diese Banken seien nach Erkenntnissen der griechischer Ermittler viele fragwürdige Geldtransfers abgewickelt worden. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung».

Laut Bericht habe der frühere Rüstungseinkäufer Antonios Kantas aus dem Athener Verteidigungsministerium viele Millionen bei Julius Bär in Zürich und Singapur angelegt. Das Geld stammte, wie Kantas demnach kürzlich gestand, von 17 Firmenvertretern aus mehreren Staaten: 8,7 Millionen Euro Schmiergeld, gut verzinst, so dass rund 15 Millionen Euro daraus wurden. Angeblich sogar noch mehr: Die Ermittler fanden laut Bericht 14 Millionen Dollar auf zwei Konten von Julius Bär in Singapur und eine Million Euro auf einem Konto von Julius Bär in Zürich. Das meiste Geld davon sei inzwischen an den griechischen Staat überwiesen worden.

Viele Fragen, keine Antworten

So viele Millionen, angelegt von Firmen des Spitzenbeamten Kantas – hätte das Julius Bär nicht alarmieren müssen, fragt die «Süddeutsche». Und weiter: Musste der Bank nicht klar sein, dass solch ein Vermögen eines Beamten kaum legal zustande gekommen sein konnte? «Zu möglichen oder tatsächlichen Kundenbeziehungen können wir grundsätzlich keinen Kommentar abgeben», erklärte Julius Bär der Zeitung. Und weiter: «Zu einem laufenden Verfahren nehmen wir keine Stellung.»

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Auf ein UBS-Konto sollen demnach satte 800'000 Euro von einer russischen Rüstungsfirma an Kantas überwiesen worden sein. Als die UBS nach dem Grund für den Geldtransfer gefragt habe, soll dieser geantwortet haben, es gehe um eine Studie. So steht es laut Zeitung in den Akten der Athener Staatsanwaltschaft. «Wir kommentieren diesen Fall nicht», erklärte demnach die UBS.

Die Athener Akten enthalten laut Zeitungsbericht noch mehr skurrile Details dieser Art – und noch mehr Namen von Banken in Zürich und Genf, mit deren Hilfe die mutmasslichen Schmiergelddeals abgewickelt worden sein sollen.

(moh)