1. Home
  2. Politik
  3. Rund 600 Wissenschafter setzen sich für Kollegin ein

Uni Zürich
Rund 600 Wissenschafter setzen sich für Kollegin ein

Iris Ritzmann: Die Entlassung der Professorin wirft hohe Wellen. (Bild: ZVG)

Der Knatsch im Medizinhistorischen Institut an der Universität Zürich wird immer mehr zum PR-Gau fürs Rektorat. Nun fordern Wissenschafter die Wiedereinstellung von «Bauernopfer» Iris Ritzmann.

Veröffentlicht am 08.11.2013

In den Turbulenzen rund um das Medizinhistorische Institut der Universität Zürich üben rund 600 Wissenschafter und Wissenschafterinnen aus dem In- und Ausland Kritik an der Universität Zürich. Sie fordern unter anderem, die entlassene Titularprofessorin Iris Ritzmann wieder einzustellen und die Missstände am Institut endlich zu untersuchen.

286 Universitätsprofessoren und -professorinnen sowie über 300 weitere Akademikerinnen und Akademiker können die Entlassung von Ritzmann im Zuge der Affäre Mörgeli «nicht nachvollziehen». Dies schreiben sie in einem in der «Neuen Zürcher Zeitung» publizierten akademischen Protest.

Nach Ansicht der Wissenschafter hat Ritzmann die wissenschaftliche Arbeit am Medizinhistorischen Institut und Museum der Universität Zürich (MHIZ) und dessen wissenschaftliches Niveau «fast im Alleingang und unter widrigsten Bedingungen garantiert».

«Wissenschaft der Politik untergeordnet»

Man könne sich des Verdachts nicht erwehren, dass die Universität glaube, ein Bauernopfer bringen zu müssen, um politischem Druck nachzugeben, heisst es weiter. Denn es werde nicht nur eine angesehene Professorin entlassen, sondern die «Wissenschaft der Politik untergeordnet».

In der Protestnote wird verlangt, Ritzmann wieder als Wissenschafterin an der Universität Zürich anzustellen, und zwar in einer Funktion, «in der sie ihrer wissenschaftlichen Arbeit in vollem Umfang nachgehen kann».

Bereits am Mittwoch hatte die Universität im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Rektor Andreas Fischer bekannt gegeben, Ritzmanns Entlassung von Heinrich Koller, dem ehemaligen Direktor des Bundesamtes für Justiz, untersuchen zu lassen.

Ritzmann wird verdächtigt, dem «Tages-Anzeiger» vertrauliche Informationen zugespielt zu haben. Damit soll sie die kritische Berichterstattung über SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli und seine mangelhaften Leistungen als Leiter des Medizinhistorischen Museums unterstützt haben.

Ritzmann hatte stets betont, mit ihren Informationen die Berichterstattung über Mörgeli weder initiiert noch verschärft zu haben. Sie habe lediglich Fehlinformationen korrigiert, um so Schaden von der Universität abzuhalten.

Langjährige Missstände und Datenherausgabe untersuchen

Die Wissenschafter fordern in ihrem Protestschreiben zudem, die langjährigen Missstände am MHIZ zu untersuchen und mit allen nötigen Dokumenten öffentlich bekannt zu machen. Nur so würden die Fehler der Vergangenheit nicht unter den Teppich gekehrt und weiterer Schaden vom Fach Medizingeschichte und von der Schweizer Universitätslandschaft abgewendet.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Herausgabe von Daten. Die Uni selbst hat eingeräumt, im Rahmen der Ermittlungen wegen Amtsgeheimnisverletzung Daten von Mitarbeitenden, die in Kontakt mit Medien standen, an die Staatsanwaltschaft herausgegeben zu haben.

Nach Ansicht der Wissenschafter ist es nun unumgänglich, dass die Öffentlichkeit darüber aufgeklärt wird, ob der Staatsanwaltschaft tatsächlich Metadaten von E-Mailverkehr und Telefonkontakten von Universitätsangehörigen zugänglich gemacht wurden. In diese Diskussion hat sich am Donnerstag auch der Zürcher Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl eingeschaltet.

(sda/chb)

Anzeige