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Klagen
Rundschau-Beitrag vor Ombudsmann

Die meisten Fernsehzuschauer geisselten den «Rundschau»-Beitrag.   Keystone

Der Beitrag der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens zum Kampfjet Gripen vom Mittwoch hat bei den Kampfjet-Befürwortern heftige Reaktionen ausgelöst. So viele wie noch nie.

Veröffentlicht am 18.04.2014

Bei der SRG-Ombudsstelle trafen bis Donnerstagabend zehn Beanstandungen ein. Das seien ungewöhnlich viele am Tag eins nach einer Sendung, sagte Ombudsmann Achille Casanova der «NLZ».

Die meisten Fernsehzuschauer geisselten darin den «Rundschau»-Beitrag als reine Anti-Gripen-Propaganda. Besonders schlecht sei der Vergleich mit der Luftwaffe von anderen europäischen Ländern angekommen bei jenen, die den Bericht beanstanden.

Die Beanstandungen seien per Mail bei der Ombudsstelle eingetroffen, schrieb Casanova der Zeitung. Einer der zehn Zuschauer, die sich bei der Ombudsstelle gemeldet hätten, habe eine andere Meinung vertreten als der Rest. «Wer hat wohl diese Zuschauerbeschwerden arrangiert», habe der Schreiber gefragt, so Casanova.

Vergleich Schweiz-Österreich

Das SRF Politmagazin hatte die Schweizer Flotte mit jener Österreichs sowie Tschechien und Ungarn verglichen, weil alle drei Länder eine mit der Schweiz vergleichbare Grösse haben. Österreichs Flotte besteht aus 15 Eurofightern, jene von Tschechien und Ungarn aus je 14 geleasten Gripen. Der Schwerpunkt des Berichts lag auf Österreich.

Zu Wort kamen in dem Beitrag ein Testpilot der Schweizer Luftwaffe, der Chef der österreichischen Luftwaffe und ein deutscher Rüstungsexperte. Letzterer kritisierte die Gripen-Beschaffung als zu teuer und unnötig.

Maurer schäumte

Anschliessend strahlte die «Rundschau» ein Interview mit Verteidigungsminister Ueli Maurer aus, worin dieser den Beitrag als einseitig, tendenziös und schwache journalistische Leistung abkanzelte.

«Ich finde das relativ tendenziös für ein Fernsehen, das von öffentlichen Geldern lebt», sagte Maurer. Die Sendung habe nur Länder herangezogen zum Vergleich, die über weniger Kampfjets verfügten, nicht jedoch Länder wie Belgien oder die Niederlande, die weit mehr Flugzeuge besässen.

Die «Rundschau» erklärte zu diesem Vorwurf, man habe den Fokus auf Österreich gelegt, weil es ein Nachbarland sei, es ebenfalls nicht der westlichen Militärallianz NATO angehöre und auch Sicherheitsexperten die Schweiz und Österreich miteinander vergleichen würden.

Einen Monat vor der Abstimmung

Das Stimmvolk entscheidet in einem Monat, am 18. Mai, indirekt über den Kauf von 22 Gripen-Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab. Zur Abstimmung gestellt wird mit dem Gripen-Fonds-Gesetz die Finanzierung des Kaufs.

Die Ombudsstelle der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wiederum wird die Beteiligten spätestens 40 Tage nach Eintreffen der Beschwerden über ihre Schlussfolgerungen und Empfehlungen informieren. Entscheidungs- oder Weisungsbefugnis hat Ombudsmann Casanova aber nicht.

(sda/tke)

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