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«Russische Paris Hilton» will gegen Putin antreten

Xenia Sobtschak: Wurde als TV-Star und Glamour-Girl im russischen Boulevard bekannt. Keystone

Die kremlkritische Journalistin Xenia Sobtschak will bei den russischen Präsidentenwahlen kandidieren. Sie ist in Russland als TV-Star bekannt und wird von Kritikern «russische Paris Hilton» genannt.

Veröffentlicht am 19.10.2017

Mit einem flammenden Appell für echten Wettbewerb bei den russischen Präsidentenwahlen hat die kremlkritische Journalistin Xenia Sobtschak ihre Kandidatur angekündigt. Junge Leute hätten seit Jahren immer nur dieselben Politiker zur Auswahl, sagte Sobtschak in einem Videoclip auf ihrer Webseite am Mittwoch. «Ich bin dagegen. Ich möchte die Möglichkeit zurückbringen, gegen alle zu stimmen», sagte sie.

Beobachter bewerten ihre Kandidatur indes als vom Kreml gewollte Opposition, die liberale und junge Stimmen vereinen und so eine Alternative etwa zum Regierungskritiker Alexej Nawalny sein solle. Die 35-jährige Sobtschak ist die Tochter des früheren St. Petersburger Bürgermeisters Anatoli Sobtschak. Dieser gilt als politischer Ziehvater von Präsident Wladimir Putin. Sobtschak hatte Putin in den 1990er Jahren zu seinem Stellvertreter gemacht.

«Russische Paris Hilton»

Bevor Xenia Sobtschak Journalistin wurde, war sie als TV-Star und Glamour-Girl im russischen Boulevard bekannt. Kritiker verspotteten sie als «russische Paris Hilton». Seit Anfang der 2010er Jahre positionierte sie sich zunehmend als liberale Regierungskritikerin. 2012 übernahm sie eine Talk-Show beim Internet-Sender Doschd.

Sobtschak sagte, seit fünf Jahren demonstriere sie mit Oppositionellen. Sie habe verstanden, dass das Leben schrecklich werde, wenn niemand versuche, etwas zu ändern. Unabhängige Politiker wie Nawalny würden im Gefängnis sitzen, «und nichts wird sich ändern», sagte sie.

Sobtschaks Kandidatur kommt nicht überraschend. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass eine Frau als Gegenbewerberin zum unausgesprochenen Kandidaten Putin gesucht werde. Auch Sobtschaks Name fiel dabei. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte der Agentur Tass, Sobtschak habe ihre Entscheidung nicht mit dem Kreml besprochen.

Vom Kreml gewünscht?

Das kritische Portal newtimes.ru stufte die Journalistin indes als vom Kreml gewünschte liberale Oppositionelle ein. «Sie soll die Aufmerksamkeit der liberalen Wählerschaft erregen» - und damit auch die Kandidaten der Kommunisten und der Liberaldemokratischen Partei (LDPR) in Schach halten, hiess es.

Bislang haben unter anderen der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski von der LDPR sowie Grigori Jawlinski von der liberalen Oppositionspartei Jabloko ihre Kandidaturen erklärt. Beide waren schon mehrfach angetreten. Jabloko ist nicht in der Duma vertreten. Die LDPR hat 39 Mandate, sie gilt als «systemnahe Opposition». Die Kommunistische Partei hat sich noch nicht festgelegt.

Nawalny will kandidieren

Zudem möchte sich der Anti-Korruptions-Aktivist Nawalny auf das höchste Staatsamt bewerben. Die Wahlbehörde will ihn aber wegen einer Bewährungsstrafe nicht zulassen. Erst am Dienstag hatte Wahlleiterin Ella Pamfilowa bekräftigt, dass sich Nawalny wegen der Verurteilung nach derzeitigem Stand erst von 2028 an zur Wahl stellen könne.

Nawalny sieht das anders und fordert das Recht auf eine Kandidatur ein. Er hat landesweit rund 80 Wahlkampfbüros eröffnet und organisiert immer wieder zu Proteste. Derzeit sitzt er wegen des Aufrufs zu einer nicht genehmigten Kundgebung eine Arreststrafe ab.

Sobtschak könnte nach Einschätzung von newtimes.ru auch als ausdrückliche Gegnerin Nawalnys auftreten. «Sie wird Nawalny aus der Position der liberalen Journalistin kritisieren und ihm Führerprinzip und Populismus vorwerfen», schrieb das Portal unter Berufung auf Kremlkreise. In der Zeitung «Wedomosti» schrieb Sobtschak jedoch, sie rufe auch dazu auf, Nawalny zuzulassen.

(sda/cfr/ise)

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