1. Home
  2. Politik
  3. Russische Teilnahme an Rio 2016 weiter auf der Kippe

Vertagt
Russische Teilnahme an Rio 2016 weiter auf der Kippe

Rio 2016: Ob russische Athleten teilnehmen dürfen, ist unklar. Keystone

In rund zwei Wochen beginnen die Olympischen Sommerspiele in Rio. Ob mit oder ohne russische Athleten ist weiter unklar. Das IOC wollte heute noch keine Entscheidung treffen. Man warte ein Urteil ab.

Veröffentlicht am 19.07.2016

Gut zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro steht die Teilnahme Russlands wegen des Dopingskandals weiter auf der Kippe. Der Vorstand des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verschob am Dienstag die Entscheidung über einen Ausschluss der gesamten russischen Mannschaft. Man werde aber die juristischen Optionen prüfen.

Der russische Sportminister Vitali Mutko sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax, er hoffe auf eine vernünftige Entscheidung. Russlands Präsident Wladimir Putin beklagte in einem Statement am Montag, dass Sport als «geopolitisches Druckmittel» benutzt würde.

IAAF-Urteil steht an

Das IOC will dabei nach eigenen Angaben unter anderem ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes berücksichtigen. Die Richter wollen am Donnerstag im Streit zwischen Russland, 68 seiner Athleten und dem Weltleichtathletikverband IAAF entscheiden. Dieser hatte die russischen Leichtathleten wegen des Dopingskandals vom Wettkampf in Rio ausgeschlossen.

Eine von der Anti-Doping-Agentur Wada in Auftrag gegebene Untersuchung hatte ergeben, dass russische Sportler vor allem während der Winterspiele 2014 in Sotschi in grossem Umfang leistungssteigernde Mittel eingesetzt haben sollen. Demnach wurden positive Urinproben mit sauberen ersetzt.

Schweizer Produkt betroffen

Dazu manipulierten die Täter ein Erfolgsprodukt einer Schweizer Firma. Schon im Vorfeld der Spiele sammelte ein mutmasslicher Mitarbeiter des russischen Inlandgeheimdienstes FSB Hunderte von Urinprobenbehälter einsammelte und löcherte Mitarbeiter des Labors mit einschlägigen Fragen zum Produkt.

Die Behälter stammen von der Ostschweizer Berlinger Group aus dem toggenburgischen Ganterschwil. Seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gibt es keinen sportlichen Grossanlass, an dem das patentierte Dopingkontrollkit der Schweizer Gruppe nicht zum Einsatz kommt. Die Firma geniesst einen ausgezeichneten Ruf.

Erneute Tests angeordnet

Berlinger entwickelte einen Spezialverschluss für Urinproben. Ein Metallring rastet ein, sobald der Deckel zugedreht wird. Das soll verhindern, dass der Deckel unbemerkt wieder geöffnet werden kann. Nur durch das Einschlagen einer Sollbruchstelle lässt sich der Inhalt der Container wieder entnehmen. Das Unternehmen sagte bei Bekanntwerden des Problems im Mai auf Anfrage, dass sie die Aufklärungen, wo immer nötig, unterstützen wollten.

Das IOC hat bereits angeordnet, alle russischen Athleten erneut zu testen, die in Sotschi antraten. Zudem gab es eine eigene Untersuchung in Auftrag. Die Sommerspiele in Rio beginnen am 5. August.

(reuters/bloomberg/chb/jfr)

Anzeige